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Was bedeutet "Kulturvolk"?
Entstehung
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ebensowenig; sie sind nur Repräsentanten, ausführende Organe,Sammlungspunkte für die zur Zeit vorwiegenden Tendenzendes Volkswillens, besser der Mehrheit der Volksglieder. Ge-sinnung und Bestand der Regierungen und Parlamente wechseln.Wo bleibt da der Volkscharakter ? Für ihn muß eine bleibendeideale Grundlage gefordert werden. Wo sie sich nicht aus-bildet, kommt das Volk als Volk nicht zu einer ihm eigen-tümlichen Kraft und Bedeutung.

Es gibt aber nur zwei Formen von Ideen, die das inAussicht stellen: ethisehe und metaphysische, und zwar letzterenur in religiöser Ausprägung. Das erhellt aus der allgemeinmenschlichen Natur des Sittlichen und aus der völkereinigen-den aufs Ganze gehenden Kraft der Religion. Die Wissen-schaft als bloße Theorie muß sich zu sehr von der Wirklich-keit in vornehmer Entfernung halten, die reine Kunst ist beiihren ästhetischen Wirkungen zu stark auf den jedesmaligenAugenblick des Genusses angewiesen und in ihren Gebildenzu wenig real, als daß sie ein Volk in seinem Kerne dauerndzu packen vermöchten. Dazu kommt der Wandel der Theorienund der Wechsel des Geschmacks. Technik und anderewichtige Lebensformen sind an sich den Lockungen egoistischerInteressen zu leicht ausgesetzt, als daß es ihnen gelänge, denidealen Anforderungen des menschlichen Gemütes voll zu ge-nügen, eine umfassende Summe von geistigen Individuen zueiner begeisterungsvollen Einheit zusammenzuschließen undzugleich mit den Zielen der großen Menschheit innerlich zuverketten. Wo technische Ideen unsre Seelen in nachhaltigenund begründeten Enthusiasmus versetzen, da ist es stets diesittliche Bedeutung, die auch den Schöpfungen der Technikals freien Taten persönlicher Anstrengungen innewohnt.

So scheinen wir uns ganz an Ethik und Metaphysikwenden zu müssen, wenn wir Näheres über eine volkstümlicheKulturidee erfahren wollen. Aber wir sagten uns schon ein-mal in etwas anderem Zusammenhänge, daß bei Wirklich-keitsfragen, die Menschen betreffen, Psychologie und Geschichtenicht ausgeschaltet werden dürfen. Da die zeitliche Entfaltungeiner geistigen Sache in Rede steht, haben wir eine geschichts-philosophische Frage vor uns, und bei der Lösung solcherverschränken sich immer psychologische und historische Er-kenntnisse mit den rein philosophischen. Die Psychologiehat dabei apriorische, die Geschichtswissenschaft aposteriorischeHilfe beizusteuern.