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Menschen ist an leibliche Instrumente gebunden. So werdenmanche Völker geistig leichtbeweglich, witzig, wortgewandt,andere schwerfällig, stumpf, indolent, die einen hintersinnig,tief, geistreich, die andern leichtfertig, flatterhaft, oberflächlich.
Es kann nicht ausbleiben, daß gewisse Völker, ihrerBegabung und der damit gesteigerten Neigung entsprechend,eben bestimmte Kulturriehtungen bevorzugen, zunächst unwill-kürlich, später mit bewußter Absicht. Solche Absicht pflegtindes, da wir nun einmal stets uns selbst zu objektivierensuchen, in ihrer frühesten Entwicklung nicht auf Selbstzer-gliederung und Vergleich mit anderen Völkercharakterenzurückzugreifen, sondern schlägt alsbald, genährt durch dennatürlichen Stolz eines erfolgreichen Volks auf sich selbst, indie Idee einer ihm auferlegten Mission um. Mit andern Worten:Jedes Volk, das als Volk wesentlich über die Stufe einesprimitiven Naturvolkes hinauskommen will, muß sich eineinnige ideale Meinung von einem besonderen Berufe bilden,den es erfüllen soll. Dieser Beruf muß, wie er geschichtlichnur aus dem Charakter des Volkes herauswachsen kann, soinhaltlich dem gewordenen Charakter des Volkes angemessensein, soll er verwirklicht werden.
Zum eigentlichen Kulturvolk wird sonach ein Volk da-durch, daß es zu einer allgemeinen Wertidee gelangt und sichderen wirkliche Darstellung zum bewußten Zwecke setzt.
Universale Kulturidee möchte ich eine solche Wertideedeshalb nennen, weil, wie gesagt, nur universal wirkendeZwecke das Volk aus dem bloßen Streben um individuelleGüter herauszuheben vermögen.
Welches sind denn nun die Eigenschaften einer Idee,die ein Volk zu einem weltgeschichtlichen Volke macht, dasam Webstuhl der Zeit der Gottheit lebendiges Kleid mit-weben darf?
Eine universale Kulturidee darf vor allem nicht etwanur in die Breite gehen, sondern muß auch eine Längen-dimension haben. Die Not eines Krieges, die nur im Hinblickauf die gegenwärtige Existenz des Volkes und die augen-blicklichen Ansprüche der Landesehre Stände, Stämme, In-dividuen, Parteien und Konfessionen vereint, bindet nur fürdas Jetzt und Hier. Nach dem Kriege treten sie alle wiederauseinander, müssen sie in mancher Beziehung auseinander-treten. Wo ist demnach der Dauerkitt, der ein Volk zusammen-hält? Regierung und Volksvertretung allein genügen hierin