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Blutoxydation ergeben nun einmal, so wertvoll sie sein mögen,so wenig Kulturprodukte wie etwa eine ungewollte Neben-wirkung irgend eines Ereignisses oder wie ein äußerer Natur-vorgang.
Daß ein kulturschaffendes Volk nicht nur Zwecke er-reichen, sondern auch sich dieser Zwecke vollkommen bewußtsein müsse, ist eine unausweichliche Folgerung unserer, wiewir glauben, zutreffenden Begriffsbestimmung.
In der Tat bestätigt es die Kulturgeschichte aut allenihren Blättern, daß die Völker ihre Fortschritte über dieStufe der Wildheit oder der kindlichen Triebtätigkeiten hin-aus nur durch irgend ein Maß von Besinnung auf Zweckeerreichen. Was vorher als unbewußter Zweck halb im Spiele,halb im affektvollen Drange 4 ) geübt worden war, wird zumbewußten Zwecke, zunächst in bescheidenerem Maße, dannSchritt für Schritt in immer weiter um sich greifender Systemati-sation und Organisation der Arbeit So führen uns denn dieethnographischen Museen und die Sammlungen von Ueberrestenuralter Generationen bei unseren Völkern primitive Formender Kultur in bunter Mannigfaltigkeit vors Auge, die von dennach Ort und Umgebung verschiedensten Ansatzpunkten derabsichtlichen Zwecktätigkeit aus erreicht worden sind.
Aber wie der Einzelne nicht alle Kulturrichtungen gleich-mäßig verfolgen kann, so auch nicht ein Volk. Die Völker unter-stehen nicht weniger dem Prinzip der Arbeitsteilung wie das Indi-viduum. So fragwürdig vom psychologischen Standpunkte dieHypothese erscheint, die die Eigenart der Rassen und Stämmenur auf die Verschiedenheiten des Klimas und des Bodenszurückleiten will, so wenig ist zu leugnen, daß der Fluß derAssoziationen und der Gefühle wie das Nervenleben vonsolchen äußeren Faktoren abhängig sind. Aber auch die Ver-erbung wie die Gewohnheit und Uebung, das stete Beispielund die natürliche Tendenz zur Nachahmung und nicht zuletztdie alles dies benutzende Erziehung und Erwachsenen-Traditiontragen ihren Teil zur Entstehung von geistigen Völker-typen bei. Wo nun charakteristische Verschiedenheit beilebendigen Wesen, da ist auch immer besonders starke Ver-anlagung für die eine und besonders starke Benachteiligungnach der andern Seite der Betätigung gegeben. Wie Völker-leidenschaften, so bilden sich auch Völkertalente heraus.Selbst die höchsten und feinsten Zweige der Gesittung sindnicht davon ausgenommen; denn alles geistige Arbeiten des