Druckschrift 
Geschichte des ersten Kreuzzuges
Entstehung
Seite
449
Einzelbild herunterladen
 

449

ihre damalige Gesinnung gegen die fränkische Herrschaft, desto stärkerhebt Wilhelm den Haß der unterworfenen Muselmänner hervor. Sieentfernen sich von den Höfen so oft sie es vermögen, Diebstahl,Raub und Mord, von ihnen an Christen begangen, sind alltäglicheEreignisse, den Ackerbau vernachlässigen sie, um so ihre Unterdrücker,wenn auch unter eigenem Elende, auszuhungern. Natürlich willniemand in einem solchen Lande bleiben, lieber in Europa darben,als hier unter Reichthümern umkommen, war die allgemeine Ge-sinnung. Den schlagendsten Beweis für die Richtigkeit dieser Angabeliefert eine außerordentliche Maßregel, zu der man sich damals ent-schließen mußte, um die fränkischen Bewohner im Lande zurückzuhalten:es erschien ein Gesetz, die Ersitzung unbeweglicher Güter solle durchden Ablauf eines Jahres ohne weitere Bedingung vollendet sein.Welch ein Zustand der Unsicherheit, der Gefahr, des Weiterexistirensvon Moment zu Moment.

So kann man den Worten Fulcher's nur beistimmen: wir wärenverloren gewesen, wenn damals die von Aegypten, Persien oderMesopotamien einen Angriff gemacht hätten. Er fragt, wie kam es,daß so viel Hunderttansende uns nicht erdrückten? und seine Antwortist: weil die Furcht Gottes des Herrn über ihnen lag. Er hat nichtUnrecht: was den Staat Gottfried's errettete, war zum größten Theileder Schrecken, welchen das große Kreuzheer um sich her verbreitetund noch auf die wenigen Zurückbleibenden vererbt hatte. In Aleppoverwüstete Ridwan selbst das Land, um bei einem etwaigen Angriffder Franken ihr Vorrücken zu erschweren?) Eine furchtbare Epi-demie kam dazu, von allen Seiten her langten Flüchtlinge in Bagdadan, um den Sultan und den Chalifen um Hülfe anzurufen. Diesehatten indeß hinreichende Gründe, die Franken unangegriffen zu lassen,da gerade damals Berkjarok in hartnäckigem Kriege gegen seineBrüder Mahmud und Sindschar stand?) So kamen die Christenungestört über diesen gefährlichsten Zeitpunkt hinweg, und später,unter Balduin I-, hob sich die Macht des Reiches von Jahr zuJahr. Außer seiner persönlichen Thäügkeit kann man als allgemeineUrsachen davon den steten Zustuß abendländischer Pilger, den Beistand

1) Kcmaleddin bei Michaud S. 15.

2) Jbn Giuzi ibicl. x. 13.

v. Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges.

20