Zwölftes Kapitel.
Negierung Herzog Gottfrieds.
Indem ich mich anschicke, die letzten Lebensmonate HerzogGottfried's darzustellen, verberge ich mir nicht, daß die Thatsachen,die in denselben enthalten sind, mehr den Beginn einer neuen Ent-wickelung, als den Schluß der bisher betrachteten Ereignisse aus-machen. Nachdem den fränkischen Waffen vor Antiochien das seld-schukische Heer, und nach dem Falle Jerusalems der Wesir vonAegypten unterlegen war, hatte der Kreuzzug sein Ende erreicht. Allefeindlichen Gewalten waren gebrochen, der Boden war erobert, aufwelchem ein christlicher Staat auferbaut werden sollte. Seit demTage von Askalon begannen die Einrichtungen, alle Keime wurdengelegt, aus denen das Geschick dieser Fürstenthümer erwachsen ist.Und somit, scheint es, wäre hier der Punkt des Abschlusses auch fürdieses Buch.
Doch zeigt sich sogleich eine zweite Rücksicht. Nicht bloß mitder Betrachtung der Thatsachen haben wir uns beschäftigt; auch dieBilder, welche sie unter den Zeitgenossen hervorgerufen, die Umwand-lungen, die sie in der Auffassung der Mitlebenden erlitten, habenwir zu erkennen versucht. Wir sahen die Mannichfaltigkeit der Pro-duktionen, wir bemühten uns ihre Einheit festzustellen, und hier nahmenwir wahr, daß zum großen Theile die Persönlichkeit Herzog Gott-fried's eine solche Einheit darbot. An sie, in bestimmter Richtungumgestaltet, lehnt sich die Auffassung des ganzen Kreuzzuges in denAugen zahlreicher Beobachter, an: weder diese Auffassung, noch jene