Druckschrift 
1/2 (1885) Anabasis oder Feldzuege Alexanders
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

gebührende Sorgfalt zu widmen. Auch dem Dionysus brachte er dasschuldige Opfer dar, weil er cs selbst nicht nngerne sah, wenn manden unseligen Vorfall lieber auf den Zorn der Gottheit, als auf seineeigene schlimme Gemüthsart zurückführte. Das lobe ich au Alexanderhöchlich, daß er bei einer Unthat nicht auch noch Trotz zeigte, oder,was noch ärger gewesen wäre, seinen Fehltritt verthcidigte und beschö-nigte, vielmehr cs eingestand, als Mensch gefallen zu sein. Einigeerzählen auch, der Sophist Anaxarchus sei zu Alexander gerufen wor-den, um ihn zu trösten 5). Als dieser ihn daliegend und aufseufzendgetroffen, habe er unter Lachen gesagt: es müsse ihm unbekannt sein,daß die alten Weisen die Dike °) darum zur Beisitzerin des Zeus ge-macht haben, weil Alles, was nun einmal von Zeus beschlossen sei,nach Fug und Recht zur That werde; und demnach müsse auch, wasein großer König thue, für gerecht gehalten werden, zuvörderst vondem Könige selbst und sodann von der übrigen Menschheit ^). Durchdiese Vorstellungen habe er zwar damals Alexandern beruhigt; aberer hat auch, behaupte ich, großes Unheil über Alexander gebracht, undzwar noch größeres, als dasjenige war, welches ihn gerade Plagte,wenigstens wenn er das für die Ansicht eines weisen Mannes hielt,als habe Einer, der König sei, cs nicht nöthig, gewissenhaft daraufzu achten, daß er gerecht verfahre, sondern dürfe Alles, was und wiecs eben einem Könige zu thun beliebe, ohne Weiteres für gerecht hal-ten 2). Da Alexander, wie die Sage geht, auch für seine Persongöttliche Verehrung verlangte, weil nicht nur die Einbildung in ihmsteckte, lieber den Ammon, als den Philipp zum Vater zu haben, son-dern er bereits auch an persischer und medischer Weise in Umtauschder Kleidung und Umgestaltung des übrigen Hofstaats sein Behagenfand, so bedurfte er hiezu nicht auch noch der Verlockungen vonSchmeichlern, am allerwenigsten aus dem Kreise der ihn umgebendenSophisten von der Art des Anaxarchus und des Heldensängers Agisans Argos

10 .

Callisthenes von Olynth") dagegen, der die Vorlesungen desAristoteles gehört hattet, zugleich aber von etwas rauhen Ma-nieren war, soll diesen Dingen keinen Beifall geschenkt haben. Und