Druckschrift 
Die wissenschaftliche Bedeutung der platonischen Liebe
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

der Triumph eines siegreichen Feldherrn. Wie fast alle tragischenDichter, so war auch er vom Aristophanes nicht ungerupft ge-blieben, wie wir aus dessen Thesmophoriazusen wissen, in denener ihn V. 50 einen Pracht- oder Prunkrednernennt. Hat unser Dichter Agatho dieses Pradicat als Compli-ment genommen oder dem Witze jenes Recensenten durch diesefestliche Einladung die Spitze abbrechen wollen? Plato läßtdas eine wie das andere glauben, aber nicht zum Vortheilder Charaktere beider. Nach einigen Zwischenbemerkungen desArztes und des Socrates nimmt also Agatho nicht ohne einigesjungfräuliche Zieren von Kap. 18 das Wort, indem er sich merk-lich bemüht, alle bisherigen Redner zu übertreffen, theils durcheine ausdrückliche Disposition, theils durch eine feine, blumigeund in witzigen Antithesen sich bewegende Ausdrucksweise. Ernimmt sich vor, erstlich über das Wesen des Eros zu reden,zweitens über die Eigenschaften und Gaben desselben. DasWesen aulangend, sührt er aus, daß der Eros kein alter,sondern ein ewig junger, schöner, guter, zarter, feiner und ge-wandter Gott sei; seine Eigenschaften und Gabenaber seienSchönheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Tapferkeit, Wissenschaft,Kunst, Veredlung nicht nur der Menschen sondern auch derGötter. Unter den letzteren hätten nämlich auch scandalose Hand-lungen und Kämpfe stattgefunden, natürlich so lange die starreNothwendigkeit sie beherrschte; mit der Herrschaft des Erosaber über die Götter hörten alle Scandale unter den Götternauf. Den Apollo machte er zum Bogenschützen, Arzt, Prophe-ten; den Hephästos zum Künstler, die Pallas zur Meisterinweiblicher Kunstfertigkeiten rc. Eros bringe nicht nur Friedenden Menschen, sondern auch den Wellen des Meeres und denWinden, die Bekümmerten wiege er in sanften Schlaf.

(7SS)