äU^enn in einer wissenschaftlichen Abhandlung das Wesenhafte ihres Gegenstandesrichtig dargestellt ist: so sind auch damit dieirrigen Ansichten darüber widerlegt und bedürfen keiner beson-deren Erörterung. Ueber den Gegenstand aber, welchen ich heutevor dieser hochachtbaren Versammlung zu behandeln die Ehrehabe, sind so viele und eben so alte wie tief gewurzelte irrigeAnsichten verbreitet, daß es mir gerathener scheint, den Bodenerst von diesen irrigen Ansichten zu reinigen, ehe ich auf dem-selben das richtigere Bild vor Ihren Augen aufzustellen versuche.In einem zweiten Abschnitte schicke ich die im alten Griechen-land allgemein herrschende Ansicht über den Eros*) voraus undlaste dann in einem dritten die des Plato im Gastmahlfolgen. Mir wenigstens scheint es s o leichter, nicht nur die mirvorgesteckte Aufgabe zu lösen sondern auch mich vor einem Kreiseaus Männern der verschiedensten Wissenschaften über diesen Ge-genstand verständlich zu machen.
I.
Irrig ist erstlich die am weitesten verbreitete Ansicht über„platonische Liebe", nach welcher sie als das von aller geschlecht-lichen Begierlichkeit ganz entfernte, rein freundschaftliche Verhält-niß zwischen gebildeten Personen beiderlei Geschlechtes erscheint,
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