Druckschrift 
Technische Probleme aus Kunst und Handwerk der Alten
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

und die alten Künstler konnten daher auf solchem Grund viellänger malen, vielleicht sechs Tage lang, ohne genöthigt zu sein,immer frischen Bewurf auftragen zu lassen, wie heut, wo derlockere Verputz sehr schnell trocknet. Heut muß der Frescomalersich jeden Tag frischen Bewurf auftragen lassen, und was erdann nicht bemalt, mit dem Messer wegschneiden; daher habenalle modernen Frescobilder Näthe oder Absätze, während die pom-pejanischen Wandgemälde deren so wenig haben, daß man siedeshalb lange Zeit gar nicht für Fresken gehalten hat. WelcheBedeutung ein solcher Unterschied der Technik auch künstlerischhat, liegt aus der Hand: der Maler, welcher mehrere Tage langsich frei auf seiner Fläche bewegen, seine Figuren gleich im Gro-ßen und Ganzen anlegen kann, ist viel ungebundener als der,welcher nur an ein bestimmtes Stück des Bewurfs sich haltenund seine Figuren stückweis, einmal den Kopf, daun das Ge-wand u. s. w., nicht nur ausführen, sondern auch entwerfen muß.Deswegen wird auch heut die Frescotechuik immer seltener unddie, jene Nachtheile vermeidende Stereochromie immer häufigerangewandt, aber freilich muß die Zeit es lehren, ob das Wasser-glas den Bildern die genügende Dauerhaftigkeit zu verleihen imStande ist.

In der Steinschneidekunst haben bekanntlich die Künst-ler des Cinquecento und der Folgezeit so Hervorragendes geleistet,daß ihre Arbeiten sich denen der alten Gemmenschneider ganzebenbürtig zur Seite stellen und daß es aus keinem Gebiete soschwierig ist, das Alte vom Modernen zu unterscheiden, als geradeauf diesem, wo denn auch die Fälschungen die größte Rolle spielenIndessen ist zu bemerken, daß während in der neuern Zeit die Gem-menschneider meist mit der Loupe arbeiten, die Alten sich vermuthlichnur des bloßen Auges bedienen konnten; und bei der außerordeut-

<S31)