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Denn es ist wohl unzweifelhaft, daß die Oelmalerei noch weitglänzendere Farben zur Disposition hat, als die enkaustischeWachsmalerei der Alten; und dazu kommt, daß letztere eine sehrbeschwerliche, langsam von Statten gehende und daher meist nurfür kleinere Tafelbilder angewandte Technik war, während beider Oelmalerei von derartigen Beschränkungen nicht die Rede ist.
Ersprießlicher für die moderne Technik als die praktischwenig nutzbaren Untersuchungen über die Enkaustik können dieder antiken Freskomalerei gewidmeten Erforschungen werden,wo wir ebenfalls Donner interessante Aufklärungen verdanken.Es hat sich da herausgestellt, daß die Alten ein viel sorgfältigeresVerfahren dabei anwandten, als die heutige Malerei, daß sievor allen Dingen den Malgrund oder Mauerbewurf viel sorg-fältiger zubereiteten. Plinius empfiehlt dafür drei Lagen Sand-mörtel und zwei Lagen Marmorstuck; Vitrnv noch genauer: nachdem ersten groben Bewurf drei Lagen Sandmörtel und daraufdrei Lagen Marmormörtel mit immer zunehmender Feinheit derbeigemischten Marmortheilchen. Jede dieser sechs Lagen soll aufdie andere ausgetragen werden, wenn letztere zu trocknen anfängt;die drei letzten müssen mit Hölzern geschlagen werden, damit sichdie Masse soviel als möglich verdichtet"). Nach dieser Vor-schrift sind noch verschiedene der erhaltenen Wandgemälde aus-geführt, die meisten ähnlich, wenn auch nicht so complicirt; inPompeji beträgt daher die gewöhnliche Dicke des Bewurfs 0,07 M.,selten 0,04—0,05, häufig 0,08; hingegen bedient sich die mo-derne Technik eines unvergleichlich dünner« Bewurfs, der z. B.an den Pfeilern der Loggien im Vatikan nur 0,003 beträgt.Der Vortheil jenes Verfahrens ist klar: da ein so dicker Bewurfviel mehr Wasser enthält, als der dünne, da er auch beim Ma-len mehr Wasser aufnehmen kann, so bleibt er viel länger feucht,
(SSO)