15
hat man denn auch mehrfach, bei diesem und ähnlichen antikenErzwerken, es vermuthet, daß sie nicht gegossen, sondern zumTheil getrieben seien, allein genaue Untersuchungen haben dasGegentheil dargethan. Eine solche Feinheit war wohl nur da-durch zu erzielen, daß die Figuren in einzelnen Stücken gegossenund aus diesen außerordentlich geschickt, so daß man die Ver-bindung nicht merkt, zusammengesetzt wurden. Während die neuereGießkunst so viel als möglich große Stücke aus einem Gußherzustellen sucht, war es im Alterthum ganz gewöhnlich, großeBildwerke in mehreren Theilen zu gießen. Es wird das aus-drücklich erwähnt beim Koloß von Rhodos^); das Bild einerErzgießerei auf einer bemalten Vase des Berliner Antiquariumszeigt uns, wie bei einer Kolossalstatue Kopf und Rumpf besondersgegossen waren. Die Rosse von San Marco in Venedig sind in zweiFormen gegossen; die erwähnte Statue des brit. Museums bestehtaus 9 Stücken, eine herculanische Broncestatue in Neapel ist aus7, eine andere aus 10 Stücken zusammengesetzt, auch die Münche-ner Statue soll aus sieben Theilen bestehen. Kleinere Statuenwurden freilich gewöhnlich in einem Stück gegossen.
Ein anderer, in diesem Maße selten von den Neueren er-reichter Vorzug der antiken Broncen ist die Reinheit desGusses; denn obgleich die Alten im allgemeinen ganz das heuteübliche Verfahren gehabt zu haben scheinen, so hatten sie es dochin ^der Leichtigkeit der Operation jedenfalls zu einer größerenVollkommenheit gebracht, und das Nachciseliren der gegossenenWerke scheint bei ihnen in viel geringerem Maße nothwendig(wenn auch immerhin nicht entbehrlich) gewesen zu sein, alsheut. Hierbei möge bemerkt werden, daß es auch ein Räthselist, ob und wie die Alten im Stande gewesen sind, gußeiserneStatuen herzustellen. Bekanntlich konnte die Kunst, das Eisen
cbis)