Druckschrift 
3 (1900) 1077 (Schluß) bis 1084
Entstehung
Seite
643
Einzelbild herunterladen
 

Die Schlacht bei Flarchheim am 27. Januar 1080.

643

xost — man darf sicher annehme», außerhalb des Rahmens des 27. Januar —durch den Ueberfall von Seite der Besatzung der Wartburg geschehen. Dagegenmuß nach dem Annalisten und nach Frutolf, der ja allerdings nach seiner Auf-fassung — Heinrich IV. sei Sieger geblieben — die Sache für den König vielzu günstig wendet, diese Plünderung gleich nach der Schlacht eingetreten sein,was ja auch das allein Natürliche ist. So hat denn Bruno ohne Zweifel irrigden Vorgang von der eigentlichen Schlachtschilderung abgetrennt, wie Buchholzsagt, „die große Plünderung, von der er gehört hatte, mit jenem Ueberfall,anstatt mit der Schlacht bei Flarchheim, in Zusammenhang gebracht" ^). Denndaß der Ueberfall aus der Wartburg thatsächlich ist, darf gewiß nicht be-zweifelt werden.

Daß Heinrich IV. nicht, wie Frutolf und der Augsburger Annalist wollen,und wie mit Gfrörer, Pabst Gregorius VII. und sein Zeitalter, VII, 711,723,auch Martens, erstlich: Heinrich IV. und Gregor VII. nach der Schilderungvon Ranke's Weltgeschichte, 61, dann: Gregor VII., sein Leben und Wirken, I,189 u. 190, annimmt, den Sieg davontrug — Martens sagt: „Das BenehmenHeinrich's nach der Schlacht spricht unbedingt dafür, daß er seinen Gegneraufs Haupt geschlagen haben muß" —, ist gewiß feststehend. Aber ebensowenig war Rudolf, wie seine Anhänger wollen glauben machen, im Besitzeeines entscheidenden Vortheiles. Dafür wird mit Recht auf den fortwährendenAbfall angesehener Sachsen hingewiesen, die nach einem durchschlagenden Siegesicher zu Rudolf zurückgekehrt wären, wie ja der Inder cls unitats seelssiasaouservancks. von Rudolf sagt: 8axonia caruit. Nach dem eigenen Zugeständ-nisse des Annalisten mar ja von einer Verfolgung der Königlichen durch Rudolfgar keine Rede, und der Streich, der den Leuten von der Wartburg gelang,war ganz nachträglich alleinstehend. Aber andererseits hat auch Heinrich IV.seinen Zweck, die Dinge in Sachsen nach seinem Willen wieder zu ordnen,durchaus nicht erreicht. Sein Heer war ja nur bis nach Thüringen gekommen,und jetzt wurde es entlassen, und der König kehrte nach „seinem" Regensburgzurück

13) Gegen Giesebrecht, 1. o., 488, der zuerst nach der Schlacht das königliche Lager ge-plündert sein und dann bei der Wartburg „die nachfolgenden Sachsen, welche die Wartburgbesetzt hatten", nochmals große Beute machen läßt, also nach dem Annalisten und Frutolf nochBruno in der Sache das Wort ertheilt — trotz des Widerspruchs —, erklärt sich Buchholzmit Recht.

14) Sander, Der Kampf Heinrich's IV. und Gregor's VII., 19 n. 1, macht richtig darauf-aufmersam, daß ohne Zweifel die Wegnahme der Lebensmittel im königlichen Lager — nachder Schlacht — wesentlich dazu beitrug, dem König den Rückzug ganz unausweichlich auf-zunöthigen. Allein der Ausdruck des Annalisten: letaliter — im Satze: sie lotalitsr LpoliatisLo8tiI)U8 —, der einzig auf die Lagerbesatzung gehen kann, ist da in sehr gezwungener Weiseherangezogen, und noch weniger ist auf des gleichen Autors Wortgeklingel in dem S. 241 inn. II erwähnten Satze, wo auch die tumis interneeio aufgeführt erscheint, ein Gewicht zu legen.