gewissen Menschen Gregor VII. zu verstehen sei, wird alsbalddeutlich. Denn das Schreiben fährt fort: „Deßwegen ist es auchweniger Euch beizumessen, wenn Ihr in etwas minder sorgfältiggewesen seid, da jener, der ein Spiegel des rechten Lebens hättesein sollen, nicht nur Euch, sondern Allen, die Rom's vorragendeStellung im katholischen Glauben verehren, ein Anstoß gewordenist, in so hohem Grade, daß die Kirche schon nicht den Fall, sondernleicht den unherstellbaren Untergang voraussehen läßt. Da wir dassahen und nicht länger ertragen wollten, sind wir nach Rom ge-kommen. Wir hofften hier Euch alle getreu zu finden, und zuEurer Gerechtigkeit, zu der gewissenhaften Festhaltung des ererbtenTreuversprechens, das Ihr uns gegenüber bewahrt habt, hegten wirdas Vertrauen, daß wir, auch wenn wir allein oder mit ganzwenigen Kriegern kommen würden, in staatlichen und priesterlichenDingen alles Gesetzmäßige mit Euch behandeln könnten. Aberweit anders, als wir es erhofften, fanden wir Euch vor. Denndie wir für Freunde gehalten haben, empfanden wir als Feinde,als wir rein nur um der Gerechtigkeit willen zu Euch kamen, zudem Zwecke, den Frieden zwischen dem Reich und dem Priesterthmnnach Eurem Rathe lind der kirchenrcchtlichen Vorschrift festzusetzen".An diesen Rückblick ans die 108t bei dem ersten Erscheinen vorRom gemachten Erfahrungen schließen die Worte des Königs denAusdruck der Ueberzeugung, daß an all dem bloß die Umtriebe„jenes Herrn Hildebrand" die Schuld trügen; denn als Freundeder Gerechtigkeit hätten die Römer dein Könige die Gerechtigkeitnicht verweigert, würde ihnen nicht zu Gehör gebracht worden sein,Heinrich IV. komme um der Ungerechtigkeit willen und zur Ver-wirrung von Rom. Der Verführer aller Welt weit und breit undder Urheber des Blutvergießens unter den Söhnen der Kirche, derAlle gegen einander in die Waffen brachte, er vermochte auch dieEinwohner Rom's zu betrügen. Grausamer, als die Verfolgungdurch Kaiser Decius, ist diese jetzige Verfolgung, da die für Christusdurch den Papst Gemordeten nicht, wie in jenem Falle, von Christusim Himmel gekrönt, solidem nach dem Verlust ihres Lebens in dieHölle verdammt werden. Eben um diesen Gräueln ein Ende zumachen — heißt es weiter —, habe die Kirche Gregor VII. öftersvorgeladeii, damit er sich von dem ihm beigemessenen Verbrechenreinige und die Kirche von dem Ärgernisse befreie: „Aber er ver-schmähte es, obschon selbst gerufen, zu kommen, und unsere Botenhat er weder selbst angehört, noch hat er Euch gestattet, sie an-zuhören, in der Befürchtung, Eure Gunst zu verlieren, wenn Ihrdie wahre Lage der Dinge würdet vernommen haben". So wendetsich jetzt Heinrich IV. an die allgemeine Gerechtigkeit, daß unterMithülfe der Römer Gregor VII. sich stelle, die Klagen der Kirchehöre, wie das ja seiner wahren Aufgabe, eines Hirten der Kirche,der die ihm anvertraute Heerde nicht zu Grunde gehen läßt, ent-spreche. Er soll eidliche Versprechungen und Geiseln vom Königeempfangen, für sichere Ankunft und Rückkehr, möge er nun den
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