Druckschrift 
3 (1900) 1077 (Schluß) bis 1084
Entstehung
Seite
346
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Wieder ist einzig Bruno unter den Geschichtschreibern derBerichterstatter über die im Februar folgende weitere Entwicklungder Dinge, und im Wesentlichen schildert wohl, was er mittheilt,die Vorgänge zutreffend, wenn auch freilich die Worte, die er denMithandelnden in den Mund legt, von ihm selbst eingeschaltet seinwerden. Nach seiner Erzählung ging der Gedanke, ungeachtet derbisherigen ablehnenden Haltung der Sachsen nochmals in Ver-handlungen einzutreten, von den Vertrauten Heinrich's IV. aus,die sich überlegt hätten, es sei angesichts der gereizten Stimmungim sächsischen Volke nicht gerathen, nach Italien zu ziehen und daseigene Land einem Angriffe der Sachsen ohne kriegerischen Schutzbloß zu stellen: so seien Boten an die sächsischen Fürsten abgeschicktworden, mit dem Begehren, es möchte in einer besonderen Unter-handlung Zeit und Ort festgesetzt werden, wo von beiden Seitenausgewählte Fürsten zusammenkämen, um über das gemeinsameBeste zu verhandeln. Die Vereinigung fand nunmehr — etwa imAnfang des Februar — ganz am Nordrande des hessischen Landes,ohne Krage in deni von der Kaiserin Kunigunde unter Hülfe ihresGemahles, Heinrich's II., gestifteten Kloster Oberkaufungen, dasdem Kaufungerwalde den Namen gab, in der angedeuteten Weisestatt. Von des Königs und von der Sachsen Seite traten je fünfgeistliche Fürsten in die Berathung ein. Heinrich IV. war durchdie Erzbischöfe Sigewin von Cöln und den Erwählten Egilbertvon Trier, die Bischöfe Ruopert von Bamberg, Huzmann vonSpeier und den Erwählten Konrad von Utrecht vertreten; dieSache der Sachsen erschien in den Erzbischöfen Siegfried vonMainz, Hartwig von Magdeburg, Gebehard von Salzburg, denBischöfen Poppo von Paderborn und Udo von Hildesheim dar-gestellt, neben denen aber fast alle angesehenen Sachsen undThüringer anwesend waren. Darauf sollen die königlichen Ge-sandten eine geheime Unterredung mit den Fürsten allein verlangthaben, wovon die Sachsen nichts hätten wissen wollen, da alle An-wesenden, Vornehme, wie Geringe, alle gewechselten Reden mitanhören dürfen sollten, und dann habe langes Stillschweigen in derVersammlung gewaltet, da die Sachsen auf die Anträge der König-lichen warteten, diese aber sich den Anschein geben wollten, als seiennicht sie die Einladenden gewesen, sonvern auf Bitten der Sachsenerschienen. Aber endlich müssen die Sachsen doch zuerst das Wortergriffen haben; denn von ihrer Seite erhob sich jetzt, auf ihrenWunsch, als Führer der Rede, Erzbischof Gebehard. Sein Vor-schlag scheint dahin gezielt zu haben, daß nach den kirchlichen Ge-setzen und Gewohnheiten der Beweis geleistet werde, entweder vonköniglicher Seite, daß Heinrich IV. nach Recht König sei, odervon dein anderen Theile, für den eben Gebehard sprach, daß dasGegentheil erwiesen vorliege, mit der Absicht, daß der volle Friedehieraus hervorwachsen werde. Allein so weit wollten die königlichenAbgesandten nicht gehen; sie erklärten, nicht zur Verhandlung dieserDinge gekommen zu sein, wie sie denn ohne Vorbereitung, wie sie