XXXIX
lisclier Kingebung, ein Einsiedel, welcher das Leben kennenund entbehren gelernt hat, und giebt von höherem, un-interessiertem Standpunkt aus ein Urteil über die verschiedenenStände ab, welches im Tone der Predigt mit einer Lob-preisung des ehelichen Lebens als dem zur Uebung der gött-lichen Werke der Barmherzigkeit geschicktesten abschliesst.In dem correspondierenden letzten Actus bekehrt sich derJüngling daun zu der Lehre des Einsiedels vom ehelichenLeben. Er befragt wiederum seine Räte über die Wahl derFrau und wiederum charakterisieren sich diese selber durchihre Antwort: der Hofmeister redet der reichen, der Stall-meister der zu bezwingenden hochmütigen, der Secretiir derschönen, der Hausmeister der armen und sanften das Wort.Der Jüngling wählt die letztere.
Die hiilflose Form des Drama, welche uns in diesemEingänge und Abschlüsse vor Augen liegt, hat sich im Laufedes 15. u. 16. Jahrhunderts am Oberrhein aus der Satire autalle Stände herausgebildet. Eine Reihe von Ständen, Lebens-altern oder Typen werden um einen Mittelpunkt gruppiert;oft ist es wie in unserm Eiugange ein Einsiedler, welcher,im Mittelpunkte stehend, den Figuren, die sich um ihn herum-bewegen, seinen Rat oder seine Belehrung erteilt, ln Tirollinden wir dieselbe Form z. B. in den Sterzinger Fastnachts-spielen (Wiener Neudrucke, Heft 6 Xr. V S. 65 ff.), wo derRichter 7 Juristen in Betreff' der Ehe eines bäuerischeniuvenis der Reihe nach befragt. Dass ähnliche Motive undähnliche Technik in den Jesuitenspielen fortlebten, beweistein Münchener Scenar (Zs. XXIX 85 ff.), welches zugleich nochiin XVII. Jahrh. die Nachwirkung von der ältesten bekanntenDichtung dieser Art, „des Teufels Netz“, verrät. Das steife,schematische der Einkleidung ist in unserem Stücke nochganz erhalten. Auf einen kurzen Monolog des Jünglings, derals Prolog gelten kann und die Situation nur undeutlich er-kennen lässt, folgt der Dialog des Jünglings mit den Räten,blos aus Frage und Antwort bestehend, worauf sich der Jüng-ling immer wieder zu dem nächsten wendet; nur der Abschlussdes ganzen Dialoges wird durch die Doppelrede des bedenk-lichen Hausmeisters markiert. Ganz in derselben Reihenfolgewie im Eingänge geben sie dann am Schlüsse wieder ihrUrteil über die vorgeschlagenen Parthien ab, wobei jeder