XVII
auch noch für eine geringere Beteiligung Ickelsamers an demAufstand, dass er, nachdem das alte Regiment wieder dieHerrschaft erlangt hatte, und er „flüchtig und ausscheu“ ge-worden war, zwar aus der Stadt verbannt, aber an seinemHab und Gut nur um 20 Gulden gestraft, das Uebrige ihmausgeantwortet wurde, welche Geldstrafe zu den niedrigstengehörte, da z. B. der Buchdrucker Kern um 40 Gulden, andereder Verbannten um 50, 100, 300, Kumpf sogar um 400Gulden gestraft ward. Wo sich Ickelsamer nach seiner Ver-bannung zunächst liinwandte, ist unbekannt. 1527 im Augusttaucht er in oder bei Erfurt auf, wo er durch Vermittelungdes dortigen Predigers Justus Menius eine Aussöhnung mitLuther sucht, die Carlstadt, welcher der ihm sowohl von deralten Partei als auch von den Bauern drohenden Gefahr nochrechtzeitig durch die Flucht entgangen war, nach längeremUmherirren schon im Sommer 1525 angebahnt und auch ge-funden hatte, aber um jene Zeit wieder anfing, aufs neuefeindlich gegen Luther hervorzutreten. In Bezug auf Ickel-samer schreibt Luther am 12. August 1527 an Menius: diesermöge ihm sagen, dass ihm schon lange Alles verziehen sei,noch ehe er darum gebeten. An seinen schwärmerischenAnsichten hielt Ickelsamer jedoch fest, denn als er im Jahre1530 in einem Orte bei Gotha eine Schule errichtet hatte,liess ihn der Kurfürst dort aufheben und nach Gotha führen.Aber auch eine längere Gefängnishaft führte ihn nicht derkirchlichen Lehre zu. Dagegen trat er jetzt mit Schwenkfeldin Verbindung, der ihn in schwerer Krankheit durch einSendschreiben getröstet hatte, das Ickelsamer mit einer Vor-rede (1542?) drucken liesS. Von da an ist er verschollen. 1561ist er todt, denn in diesem Jahre schreibt Schwenkfeld anJoh. Heid, 3. fer. ante Laurentii (Epistolar II, 475): „DassEutyches und Dimeritae duas naturas post Christi incarnationemnegiert haben, ist allen Theologis bekannt . . . Val. Ickel-samer und D. Thalhauser waren schier auch der Meinung.“Noch ist zu erwähnen, dass er sich den Ruhm erwarb,den ersten Anlauf zu einer deutschen Grammatik genommenzu haben (Raumer, Gesell, der Pädagog. III, 2,30) durchseine 1527 oder schon vorher erschienene: „Teutsche Gramrna-tica Darauss einer von jm selbs mag lesen lernen, mit allem