an die Herzoge zu Sachsen und wider mich ausgangen, doer so grimmig und hässlich [= gehässig] einher platzt als einprächtiger Tyrann ohn alle brüderliche Vormahnung.“
Infolge des Sendschreibens Luthers griffen die säch-sischen Fürsten jetzt ernstlicher ein. Zwar hatten sie schon,nachdem Zeys am 18. Juni, allerdings recht spät und ohneMiinzers Hamen zu nennen, über den Zug nach Maiderbacheinen Bericht eingesandt hatte, die Zerstörer der Kapelle inGeldstrafen genommen; aber die Allstedter säumten zu zahlen,und von oben her scheint dem Strafmandat kein weitererNachdruck gegeben worden zu sein. Jetzt aber wurde Münzerauf den 1. August nach Weimar beschieden, um Rede zustehen. In dem Verhör scheint er eine klägliche Rolle ge-spielt und hinter allerlei faule Ausreden sich geflüchtet zuhaben. Er wurde mit dem Bescheide entlassen, dass mansich Weiteres über ihn zu verfügen Vorbehalte. Als er, inner-lich bewegt und gelben Angesichts, aus der kurfürstlichenKanzlei kam, gab er dem Schösser Zeys auf die Frage, wiees ihm ergangen sei? die Antwort: „Ei, wie soll es gehen?Es geht also, dass ich ein anderes Fiirstenthum besuchenmuss!“ Dass in Allstedt seines Bleibens nicht mehr sei,wurde ihm freilich nach seiner Heimkehr dorthin noch klarer.Denn als er hier einen ernsten Ausbruch beschleunigen wollte,oder wie er sich selbst, am Schluss seiner „Schutzrede“ (vgl.S. 38) ausdrückte: da ich meinte, das ernste Wort Gotteszu predigen, da kam ein Rathsherr und wollte mich denhöchsten Feinden des Evangelii überantworten. Wohl erboter sich in dem oben angeführten Briefe vom 3. August auden Kurfürsten zu einem Verhör vor der Christenheit, wozuaus allen Nationen diejenigen entboten werden sollten, „dieim Glauben unüberwindliche Anfechtung erduldet und zurVerzweiflung ihres Herzens gekommen sind“, — wie er be-reits am 13. Juli an Herzog Johann geschrieben hatte: „Ichwill die Römer, Türken, die Heiden dabei haben“ —, aberer wartete den Erfolg nicht ab: am 7. August verliess erheimlich Allstedt und kam damit seiner Verabschiedung zu-vor, welche der Kurfürst am 16. August verfügte auf dieBeschwerde Herzogs Georg von Sachsen, dass Münzer einenaufrührischen Brief an seine Unterthanen in Sangershausen aus-