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Hartmann von Aue als Lyriker : eine literarhistorische Untersuchung
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,miv ist es kein groszer schmerz, wenn ich die dame so seltenzu sehen bekomme, deren preis mein leben geweiht ist; nir-gends ist mir ja übler zu mut als bei ihr. 1 es ist das ersteder gedichte, die sich gegen den minnedienst auflehnen undimmer einmal zwischen die andern eingestreut sind, sie zeigen,dasz die in den liedern ininniglichen inlialts geschilderten ge-fiihle nicht immer buchstäblich zu nehmen sind, sondern daszder dichter oft, namentlich in den ersten gedichten, nur wieder-gieht, was zu sagen. in der poesie mode war und was diedichterische tradition vorschrieb.

So ist auch das folgende lied zu beurteilen, die Über-legungen einer dame, ob sie ihrem geliebten gnade gewährensoll oder nicht. 1 ) es macht auf den ersten blick einen fort-geschritteneren eindruck und man würde es an sich wohlnicht zu den ersten dichtnngen Hartmanns stellen, zudenen es seiner technik nach doch gehört, als jugendwerkerweist es sich jedoch sofort durch die völlige abhängigkeitvon einigen Strophen Hausens, die genau dasselbe thema be-handeln. 2 ) es ist eigentlich nur ein Übungsstück, ein modege-dicht. 3 )

Ebenso eine reihe der folgenden gedichte. 4 ) in diese zeitfällt wohl die reise nach Nordfrankreich, auf der Hartmannmit einer zahl genossen seinen herrn begleitet haben mag.die durch die entfernung gegebene Situation benutzt der dichterzu drei Strophen, die von der hingehenden begeisterung- desersten gedichtes sich wieder um einen schritt entfernen, zumteil einen recht hausbackenen eindruck machen, sie enthaltenwenig persönliches, aber viel allgemeine betrachtungen. imersten lied vertreibt der dichter sich die zweifei an der treueseiner dame; das zweite richtet seine ermahnungen, untreue zumeiden, an die damen überhaupt; das dritte wird noch allgemeiner:ohne jedes hineinziehen persönlicher erlebnisse, wie es in denbeiden ersten noch in einem beschränkten masze der fall war,behandelt es einen gemeinplatz. es ermahnt die männer, denfrauen gegenüber ohne falsch zu sein.

') 210, 1. 2 ) MF. 5455. 3 ) genau ebenso wird auch Catulls

Übersetzung des Kallimacheischen gedichtes ,Haar der Berenike' beur-teilt : auch dies ist nur ein Übungsstück und jugendwerk. iibh. ist eineVergleichung Catulls und Hartmanns hinsichtlich ihrer dichterischen ent-wickelung sehr lehrreich. J ) 212, 1336.