Dr. Murner, Verfasser des Ulenspiegel.
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die Erzählungen von der Jugend, den Handwerkerscbwänken undden letzten Tagen des Volksnarren. Dass diese Sammlung frühergedruckt gewesen sein könnte, ist aus dem Grunde nicht sehrwahrscheinlich, weil sich von diesen Schwänken keine Spur inirgend einem bisher auf unsere Zeit gekommenen Werke vor demJahre 1519 nachweisen lässt, selbst nicht einmal der NameUlenspiegel in Beziehung auf irgend einen Schwank. Je näherwir dagegen die vorliegende alte Ausgabe betrachten, je deut-licher erkennen wir in dem Dialect des Verfassers einen Strass-burger. Wir sehen ferner aus einigen lateinischen und vielendieser Sprache nachgebildeten deutschen Wörtern, dass jenernicht, wie in der Vorrede behauptet wird, ein unkundiger Laiewar, sondern vielmehr ein in der lateinischen und vermuthlichmehreren neueren Sprachen, jedenfalls der französischen, be-wanderter Gelehrter, welcher die von uns nachgewiesenenverschiedenartigen Quellen zu benutzen wusste. Wenn wirnun den Witz und die Laune betrachten, mit welcher die mei-sten Erzählungen wiedergegeben, und die Gewandtheit, mit wel-cher die aus anderen Büchern entlehnten Schwänke verkürzt,erweitert oder miteinander verflochten sind, so können wir indem Verfasser einen geistreichen Darsteller und geschicktenIlandhaber seiner Sprache nicht verkennen, und haben wir ihnunter den bedeutenderen Schriftstellern jener Gegend zu suchen.Unsere Vermuthungen müssten schon auf Dr. Murner fallen,selbst wenn nicht für ihn ein bestimmtes Zeugniss aufträte.
In einer vermuthlich 1521 erschienenen Schrift: Ain fchönerDialogus und gcfprech zwifchen aim Pfarrer und aim Schulthayfz,betreffend allen übel Stand der gayftlichen, o. J. u. 0., 4., wirdgesagt: “Murner hat herfür gebracht die hoch ergründten leer,mit namen die narrcnpfchwerung, die fchelmenzunfft, der greth-millerin jartag, auch den Vlenfpycgel, und andere fchüne Büchleraer.” ') Wenn dieses Zeugniss auch das einzige gleichzeitigeist, welches von Murners Antheil an dem Ulenfpiegel spricht,so ist dessen Wahrheit wenigstens im Allgemeinen nicht zu be-zweifeln. Die andern dort genannten Werke, die Narrenbeschwü-
1. Flögel Geschichte der komischen Literatur Th. III. S. 203. Der ganzeDialog ist neu abgedruckt in Scheib le ’s Kloster Bd. X. S. 301 — 320.
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