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Abhandlung über den Ulenspiegel.
schrift vom Ulenspiegel eine niedersächsische bisher entdeckt;nnd eben so ist kein Druck in dieser Sprache nachgewiesen.Während Bücher ähnlichen Inhalts, wie vom Bruder Rausch, zu-erst in derselben erschienen, und viele Volksbücher und Liederin dieselbe aus dem Hochdeutschen übertragen sind, wie dasBuch von dem Nachfolger des Ulenspiegel, Hans Clawert, fehltein ursprünglicher, so wie ein übertragener plattdeutscher Textdes Ulenspiegel. Ueberraschend muss es uns aber erscheinen,im ganzen nördlichen Deutschland, diesseits Erfurt, wo andereErinnerungen an Ulenspiegel nicht fehlen, und wo, wie zu Lü-beck, Hamburg, Berlin, Rostock, Wittenberg, Leipzig, die Buch-druckerpressen nicht gefeiert haben, auch viele Volksbücher ge-druckt sind '), keine Ausgabe des Volksbuches vor der Hamburgervom Jahre 1714 zu finden. Stammt daher auch die Historievom Ulenspiegel ursprünglich aus Norddeutschland, so dürfenwir es doch wohl dem Einflüsse der reineren Lehre und der andieselbe geknüpften strengen Sittenzucht zuschreiben, dass Jahr-hunderte hindurch dort kein Buchhändler zu dem Drucke deroft anstüssigen Geschichten sich verlocken liess.
Das älteste uns erhaltene Exemplar einer Ausgabe des Ulen-spiegel ist das der Strassburger vom Jahre 1519, welche in dervorliegenden Gestalt als das Werk des Dr. Thomas Murner an-zuerkennen, einer gleichzeitigen unwidersprochenen Nachrichtgegenüber uns nichts abhallen dürfte (s. unten §. 8.). Wir dür-fen dem guten Geschmacke selbst des grossen Publicums ver-trauen, dass es mehr durch die von dem Dr. Murner hinzuge-fügten besseren Erzählungen aus anderen Quellen, als durch vieleder ursprünglichen Ulenspiegelpossen angezogen wurde. DasWerk fand bald grossen Beifall und der treffliche FranciscanerJohannes Pauli benutzte schon verschiedene ErzählungenMurner’s in der zweiten Auflage seines Werkes Schimpff undErnst, s. unten §. 6-
1. Ausser dem, was schon aus Panzer bekannt ist, finden wir mancheseit dem Jahre 1502 zu Hamburg gedruckt (s. meine Geschichte der Buch-druckerkunst daselbst, S. 8 flgd., 109.) vor 1600. Im Jahr 1601 druckte Her-mann Müller dort: Vom Thedaldo unde Ermeliano; Apollonius; Gabriotto undHeinhardt, alle in 8.