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Auch im entgegengesetzten Sinne, wenn einem anerkennendenBegriffe etwas von seinem Werthe entzogen werden soll, wirdein Fremdwort eingeschoben; so wird statt achten cstimircn ge-braucht. Bisweilen erscheint dem üblichen Fremdwortc gegenüberder echte, deutsche Ausdruck zu gewählt; man fürchtet gegen dieGewohnheit zu verstoßen und sagt hundertmal für eins Friseurstatt Fricslcr oder Haarkräusler, Coiffure statt Kopfputz, gratu-liren statt beglückwünschen, Collier statt Halsschmuck n. s. w.Oder der deutsche Ausdruck erscheint zu innerlich und gemüthvollim Vergleich zu dem mehr äußerlichen und kalten Fremdworte,und man hält ihn deshalb zu Gunsten des letzteren zurück. Des-halb sagt man viel öfter intim statt vertraut. Wie auch immerdas Verhältnis; des einen zum andern im einzelnen und besondernsei, im allgemeinen stellt das Fremdwort eine Entfremdung vonder Wahrheit, Schlichtheit und Einfachheit dar, eine Vorschiebnngfalschen Scheines und eine Verdunkelung echter deutscher Art,oder mit einem Worte eine innere Abkehr von der Natur unsrerSprache.
Wieviel aber wird gegen die Natur überhaupt fort und fortgesündigt- und verstoßen aus Dummheit, Eitelkeit und Ziererei!Da klemmt sich ein grüner Jüngling im stolzen llnstcrblichkcits-drangc einen Zwicker vor seine Augen, die ihm die gütige Naturkerngesund bcschccrt hat, um, wie er meint, nach mehr anszn-sehcn. Oder ein junges Mädchen schnürt sich unsinnig, um, wiesie denkt, schöner ansznschcn, und dabei verkrüppelt ihre von Naturgesunde Leber. Aber dem Zwickcraffcn wie der Schnürnärrin istbeides Gewohnheit geworden, so hart ihnen anfangs auch der Zwangankam. Er kann den Klemmer nicht mehr entbehren, ist wirklichkurzsichtig geworden und blickt ohne das Ding blöde und un-sicher in die Welt hinein; sic kann ohne festes Schnürlcib nichtmehr gerade stehen, und frei bewegen kann sie sich überhauptnicht. Die Macht der Gewohnheit hat die Natur überwunden,