21
die Vortreflichkcit ihrer Einfälle zu erkennen.") Das ist cs.Es handelt sich viel weniger nm Hast und Eile, als nm Armnthund Ungeschick im deutschen Ausdruck. Und so haben die Tage-blättler für ihre Mischsprache gar keine Entschuldigung. Sic habenzur Feder gegriffen, che sie deutsch schreiben konnten, und thunnun, als ob sic Herren und Meister der Sprache wären.Mancher glanbt's ihnen, schnackt das Kaudcrwälsch nach, einersteckt den andern an, und so verdirbt die Sprache mehr undmehr. Die Zeitungsschreiber sind cs, die hier täglich eine schwereVerantwortung auf ihr Gewissen laden. Aber sie spüren sienicht, denn sie wissen nicht, was sic thnn. So hat die übelsteAngewöhnung sie verderbt, daß sic nicht einmal mehr merken,was für schmutziges und stinkendes Wasser sic über ihre Mühlegießen. Sic nehmen es sogar noch übel, wenn Einer einmalsagt, daß es nicht rein sei lind nicht wohl rieche.
Ich wünschte sehr, daß sie mir das, was ich hier sage,recht übel nehmen möchten, damit sie ihren Zorn und Argerin ihren Blättern über mich ausschüttcten, und ein Wehe,Steinige und Kreuzige nach dem andern über mich anssticßen.Sv würden doch ihre Leser endlich was von der Sache merken,und dann müßten sic anfangen sich zu bessern. Zu bessern?Sollte cs wirklich möglich sein? Mein Glaube ist schwach. Dennseit mehr als zwei Jahrhunderten hat man es ihnen vorgehalten,und sie haben sich nicht gebessert. Schon Gottsched rief ver-zweifelt ans: „Wer will der Barbarcy unsrer Pnblicisten einZiel stecken?" Wenn sic nur erst einmal anfingcn, nur ein wenigguten Willen bcthätigtcn, nur wollten, „so würde man — meinteer — sich gar bald auch aller übrigen ausländischen Brockencntschüttcn können und den zulänglichen Rcichthum unsererSprache zur Genüge gewahr werden. Aber wer will der Bar-
Lcibnizens Ermahnung an dic Tentschc u. s. w. — Siehe weiterunten. — S. 17.