5
Kein Fremdwort für Das, was deutsch gut aus-gedrückt werden kann.
Dieser naturgemäße, selbstverständliche und einfache Grund-satz wird fortwährend verleugnet und verletzt. Und doch bedarfes nur des Willens, um ihn zu befolgen, denn sachliche Schwierig-keiten bietet seine Befolgung garnicht. Ich spreche aus Erfahrung.Denn in einer mehr als fünfundzwanzigjährigen schriftstellerischenThätigkeit habe ich diesen Grundsatz zu befolgen gesucht und ge-funden, daß der einzige Feind, der uns hierbei Schwierigkeitenbereitet, die Gewohnheit und Bequemlichkeit ist. Die Spracheselbst kommt uns immer entgegen, wenn wir sic nur richtig ver-stehen und fassen, sie bietet uns immer die Hand. Nur an unsliegt cs, an der abscheulichen Gewohnheit, die einem heutzutageförmlich anerzogen wird, und an dem natürlichen Beharrnngs-tricb, an dieser Gewohnheit zu kleben. Ihr müßt wollen, nurwollen, ernst und redlich wollen!
Mich hat jene Gewohnheit, die auch meine Jugend über-reichlich umgab, schon früh heransgefordert. Ich erinnere michaus meiner Schulzeit, daß mein Vater, der eine gute Erziehung,aber keine gelehrte Bildung genossen hatte, mich, wenn er dieZeitung las, oft fragte: „Was heißt das nun wieder? Da hatder Mensch wieder den oder den Ausdruck gebraucht, den derTeufel verstehen mag." Und wie oft habe ich dann Fremd-wörterbücher, lateinische, griechische, französische, englische unditalienische Wörterbücher herbeigeschleppt, und manchesmal konnteich doch nicht, trotz dieser Hebel und Schrauben, hinter die Be-deutung solchen verteufelten Ausdruckes kommen. Denn er warfrisch aus dem Lappländischen, Malaiischen oder Hottentottischenentlehnt. In der Schule selbst herrschte unter uns die guteSitte, die Jungens, die etwa einen fremden Ausdruck gebrauchten,wegen offenbarer Ziererei und affiger Vornehmthuerei zu ver-höhnen. Und da auch ein vortrefflicher Lehrer der deutschen