Man bildet auch Vereine, errichtet Schulen und Bildnngs-anstaltcn, verwendet große Kosten und Mühen darauf, um denguten Geschmack ans dem Gebiete der Gewerbe zu heben und zubessern. Auch das ist gewiß recht und löblich. Aber um denGeschmack im Gebrauche des edelsten und schönsten Schatzes, denwir besitzen, unserer Muttersprache, kümmert sich niemand. Aufihre Anmuth, Schönheit, Würde, Gesundheit und Natur wirdmit einer Leichtfertigkeit und Gewaltsamkeit losgestürmt, als obsie ein eherner Fels wäre, während sie doch ein bewegliches undlebendiges Ding ist, das unter fortgesetzter Mißhandlung inseinem Wesen leiden, entarten oder zu Grunde gehen muß.
Aber so beklagenswerth und entmuthigend diese Gleichgiltig-keit auch ist, so hat sie mich an meinem Vorhaben nicht hindernkönnen. Denn, wie gesagt, mich bestimmt nicht eine Täuschungüber den Erfolg, sondern der innere Beruf. Dieser Stimmefolge ich, ebenso unbekümmert um Das, was mein Thun bewirktoder nicht bewirkt, wie um das billige Vergnügen, das sich dieSpötter machen. Mich soll das alles wenig anfechten. Dieherzlichste Freude und größeste Genngthuung würde es mir aller-dings gewähren, wenn mein Wort nicht ganz in die Dornenfiele. Und wenn ich mich auch keiner Täuschung hingebe, somag ich doch auch diese Hoffnung nicht gänzlich unterdrücken.
Von vornherein glaube ich mit allem Nachdruck hervor-heben zu müssen, daß ich keine thörichte Übertreibung, keine leiden-schaftliche. Reinigüngswuth willl Eine' moderne Sprache wirdauch Ausdruck und Spiegel des großen internationalen Lebensder Völker sein müssen, und Wörter, die allen diesen Völkerngemeinsam sind, künstlich zu verdeutschen, wäre vielleicht nur aus-nahmsweise angebracht. Ich eifere nicht blind gegen die Fremd-wörter überhaupt, wohl aber mit Nachdruck gegen das Übermaßund'die^Geschmacklosigkeit in der Anwendung derselben, nament-lich der französischen. Mein Grundsatz ist: