„Kannst Du ihn denn frcilassen?" fragteBranden lächelnd. „Wäre es nicht besser ihn inDeinem Gewahrsam sterben zn sehen als ihn le-ben lassen und nie mehr erblicken?"
„O nein, nein!" sagte Lucie lebhaft, „wennich Jemand — ein Wesen liebe, so wünsche ichdaß dieses glücklich se»,.nicht ich."
Mit diesen Worten nahm sie den Vogelaus dem Käfig, trug ihn ans offne Fenster, küßteihn und hielt ihn auf ihrer Hand in die Luft hin-aus. Der arme Vogel sah sich mit mattem,kränklichem Aug' um, als ob der Anblick der Häu-sermassen und der geschäftigen Straßen nichtsVertrauliches oder Einladendes für ihn habe, underst als Lucie mit zärtlicher Entschlossenheit, ihnsanft wegschüttclte, benutzte er die ihm gegönnteFreiheit. Er flog zuerst auf einen gegcnüberste-hcnden Balkon und dann nach einer kurzen Pauseder Ueberrascbnng gleichsam sich erholend, umkreis-te er in kurzem Fluge die Häuser, und nachdemer einige Augenblicke verschwunden war, flog erwieder zurück, flatterte um das Fenster, flog wie-der herein, setzte sich wieder auf die schone Handseiner Gebieterin und drängte sich an ihren Busen.
Lucie bedeckte ihn mit Küssen. „Sie sehen,er will mich nicht verlassen," sagte sie.
„Wer könnte es auch?" sagte der Oheimmit Wärme, für diesen Augenblick aus allen Ge-danken, ausgenommen die Zärtlichkeit gegen das