die weibliche Eitelkeit, ihr selbst unbewußt, sichaussprach.
„Und was soll dieß heißen, Lucie?" fragteBranden.
„Weil — weil — ach, nichts mehr davon!Sie sind für den Beruf erzogen worden, in dem,wie sie selbst sagen, die Leute Unwahrheit redenfür Andre, bis sie für sich selbst alle Wahrheit ver-lieren. Aber lassen Sie uns von Ihnen sprechen,nicht von mir; ist Ihnen wirklich so wohl, daßSie uns verlassen dürfen?"
So einfach und sogar kalt die Worte in Lnciens Frage auf dem Papier erscheinen mögen:in ihrem Munde nahmen sie einen so zärtlichen,freundlich besorgten Ton an, daß Brandon, derkeinen Freund, kein Weib, keine Kinder, kurz Nie-mand in seinem Hanse hatte, bei dem Theilnahiuefür seine Gesundheit und sein Wohlseyn etwasNatürliches gewesen wäre, und der daher an dieSprache der Zärtlichkeit durchaus nicht gewöhntwar, sich plötzlich gerührt und ergriffen fühlte.
„Nun wahrlich, Lucie," sagte er mit mindererkünsteltem Ton als worin er gewöhnlich sprach,„ich würde gerne noch Deiner Sorgfalt genießenund in Deiner Gesellschaft meine Schwächenund Leiden vergessen, aber ich kann nicht; dieFluth der Ereignisse, wie die der Natur, richtetsich nicht nach unsrem Vergnügen."
„ Aber wir können doch selbst unsre Zeit uns