Druckschrift 
2 (1834)
Entstehung
Seite
53
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siche Weine. Da er in seiner Gesellschaft nicht sehrwählerisch war, und sein Ehrgeih ihn nicht in diegroßen Cirkel trieb, zog er mich oft an seinen Tischnnd vergnügte sistss lange Erörterungen über die Al-ten mit mir aiiznstellcn. Bald kam ich darauf, daßmein Herr ein tüchtiger Moral-Filosof. war, und daich selbst einer schwachen Gesundheit genoß, des ge-wöhnlichen Treibens der Welt, worin meine Er-fahrungen meinen Jabren vorausgecilt, nberdrüßignnd von Natur naebdeiiksamer Gemüthsart war,so richtete ich meine Aufmerksamkeit auf die mora-lischen Studien, die meinen Brodherrn so wunder-bar ansprachen. Ich las nenn Büchcrständer vollmetafystscher Schriften durch und wußte genau, überwelche Punkte diese berühmten Denker mit einanderzum großen Nutzeinder Wissenschaft stritten. MeinHerr nnd ich pflegten manches lange Gespräch überdas Wese» des Guten und des Bösen zu halten undvermöge seiner wohlwollenden Stirne und seinerlauten, mürrischen Stimme erschien er unfern Zu-hörern immer als der Weisere und Bessere von Bei-den ; er hatte deßhalb an unfern Streitübungengroßes Vergnügen. Dieser Ehrenmann hatte eineeinzige Tochter, eine gräßliche Keiferin mit einemGesicht wie die Nacht so häßlich; aber Filosofen setzensich über körperliche Ucbelstände weg; und da ichnur an die Wohlthaten dachte, welche meinen Mit-menschen zu erweisen mich ihr ansehenliche's Vermö-gen in Stand setzen würde, beehrte ich, sie heimlich