Druckschrift 
3 (1843)
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

von dieser selbstvergessenen Dürftigkeit der Diamanttanzte ihm vor den Augen! Er näherte sich dem Bettund oh! welcher Contrast dieses trübseligen Gemaches,dieses harten Lagers mit der zarten, reinen, bezauberndenLieblichkeit der darauf ruhenden Schläferin ! Die dürftigeDecke ließ theilweise den schneeweißen Hals und die rundeSchulter bloß; das Angesicht ruhte in kindlicher Anmuthauf dem Arm; es war leicht geröthet und die frischen,rothen Lippen spalteten sich zu einein Lächeln denn inihrem Schlummer träumte die Jungfrau einen glücklichcn Traum! Es war ein Anblick, der wohl hätte einesVaters Herz rühren, seine Schritte hemmen, seinen Athemin ein frommes Gebet verwandeln sollen, lind man nenneAdam nicht hart, unnatürlich, daß er jetzt nicht das war,was Männer, viel hartherziger als er, gewesen sehn wür-den denn der Vater war in diesem Augenblick nicht inseiner Brust das menschliche Gemüth war weg erwar selbst, wie sein Modell, eine eiserne Maschine seinLeben war nur seine eine Idee!

Wach'auf Kind, wach' auf!" sagte er mit lau-ter aber hohler Stimme.Wo ist das Gold, das Du mirverheimlicht hast? Wach auf gesteh' es!"

Sybille, so rauh aufgeschreckt aus ihren süßen Träu-men, fuhr auf, und erblickte das heftig gespannte, dunkleGesicht ihres Vaters. Sein Ausdruck war eigenthümlichund unbeschreiblich, denn es war nicht drohend, nichtzornig, nicht finster; die Augen starrten ins Leere hinaus,die Züge waren gespannt, und doch erleuchtete und durch-