Druckschrift 
Drittes Bändchen (1835)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110

seine Fantasie im sommerlichen Mittag mit Titaniaunter den grünen Zweigen weilte und dem vom Blu»menknß bethautcu Elfenreigen zusal, ? Und war keinGenuß für ihn in den dunkeln, gespenstischen Schau-dern, mit welchen er die unheimlichen Drei, „so«ingeschrnmpft, so wild in ihrer Tracht" anrief, dieMakbeths blutiges Geschik durch Voraussagung dessel-ben erschufen? Weit entkernt von der Ansicht, daßbas Genie zur Trauer und Niedergeschlagenheit ge-neigt sei, schien mir lebendige Empfänglichkeit fürdie Freude eine Lebensbedingung des Genies. DervDichter in Prosa wie in Versen — der Schöpfer — ^kann seine Bilder nur in dem Derhältniß mit Krafthervortrcten lassen, als er sie selbst lebhaft empfunden,feurig fortgenährt und lange in sich herumgetragenhat. Nun aber spiegeln die meisten Schriften, welchesich bleibend in der Welt erhalten, weit eher dieHellen, als die dunkeln Farben des GemLths zurük!Homer, Virgil, Ariost, Voltaire, Göthe, Cervantes,und, auf vielleicht niedrigerer Stufe, Scott, Fiel-ding, Le Sage, Meliere — welche heitere, gesundeFreudigkeit, ja welch frischer, kräftiger Lebensdrangtrit in Allen deutlich hervor! Mit sehr verkehrtemUrtheil haben sich Einige an die wenigen Ausnahmen«on der Regel gehalten und versichern wollen, dieDüsterkeit eines Byron, die kränkliche Reizbarkeit-eines Rousseau seien Abzeichen, nicht einzelner In-dividuen, sondern der ganzen Gattung! Ja selbstim Temperament dieser Individuen würden wir meiner