um Blatt ab, bis nichts als der nakte, rauheStumpf zurükblcibt. In jeder Leidenschaft ver-langt die Seele etwas Unausgesprochenes, einenunbestimmten Hintergrund zur Durchforschung oderBewunderung — einen Schleier über die geistigewie über die körperliche Gottheit; die Gewohn-heit aber last der Poesie des Gemüths nichts, undselbst der gegenseitigen Achtung oft nur sehr we-nig. Der ganze Karakrcr liegt offen vor uns,wie eine Ebene, und das Auge des Herzens wirdder Gleichheit dieses Anbliks überdrüssig. Auf denUcbcrdruß folgt Abneigung, auf die Abneigungeine von jenen tausend Gestaltendes Proteus „Wi-derwillen"—so daß eben die Leidenschaft, die wirzu unserem heiligsten Schaz machen möchten, zumBeleg eines alltäglichen Sprichworts zerbröckeltund allerdings „aus der Vertraulichkeit Verachtungentsteht! "
„Und sollen wir denn wirklich," fragte ich,„dem entzükcnsten Traum auf immer entsagen?Sollen wir die Liebe als eine gänzliche Täuschungbetrachten und uns in eine ewige Oede und Ein-samkeit des Herzens ergeben? Was soll dann dieschreiende, nicht zu beschwichtigende Leerheit un-serer Seele ausfüllen? Was soll aus diesen mäch-tigen Quellen zärtlicher Hinneigung werden, die,wenn ihnen in dem steinigen Wcltbvdcn jederKanal versagt ist, irgend sonstwo einen Ausflußnehme», oder versumpfen müssen?"