Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
98
Einzelbild herunterladen
 

98

das Schloß wich, er trat ein und verriegelte, un-duldsam gegen die Horde drauffen, die zersplittertePforte so gut cs ging. Das Haus war in Verglei-chung mit seinen Nachbarn unverhältnißmäßig groß,und Braun schwankte, ob er zuerst eine zerbrochene,einsturzdrohcnde Treppe hiuaufsteigen, oder sich nachden untern Zimmern wenden sollte. Er entschiedsich für Letzteres, fand aber Niemand, und stieg mitunheilahnendcm Herzen, das nur die Erinnerung anden großen türkischen Teppich zu ermutbigen ver-mochte, die knarrenden Stufen binauf. Alles warstill, aber eine Thür unverschlossen. Er trat ei»,und sah den Gegenstand seiner Forschungen vor sich.

Ucber eine Streu beugte sich eine Gestalt, aufwelcher, obwohl die Jugend verwelkt und selbst derStolz gebrochen schien, die unbesiegbare Seele nochetwas von Anmuth und Würde zurückgelassen hat-ten, das des tzereintretenden Erinnerung an bessereTage zu Hülfe kam. Ein Mädchen im ersten Kin-desalter kniete auf der andern Seite des Lagers mitgefalteten Händen und unstäten Augen, die sich gegenden Ankömmling wandten und mit gleichgiltigem,glanzlosem Blick auf seine Schritte geheftet blieben.Aber Glendower, oder vielmehr Mordauntsprach nicht, rührte sich nicht; seine Angen hastetenauf einem einzigen Gegenstand; sein Herz schienzu Stein verwandelt, seine Adern zu Eis eingefro-ren. Geängstigt und durchrieselt von der stillen Ver-zweiflung dieses Ortes trat Braun vor und sprach,