Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

still und glänzend vor mir auf, ungetrübt vonSchmerzen, unverwelkt von der Zeit. KarolineWaiden war der Gegenstand allgemeiner Bewunde-rung, und die Mutter, welche die Begierde womitihre Einladungen von allen Witzköpfen und Elegantsdes Tags ausgenommen wurden, den Reihen ihrereigenen Unterhaltung zuschried, ließ sichs nicht ein-fallen, daß das Gesicht und der Geist der Tochterder ziehende Magnet waren. Ich dachte damalskeineswegs ans Heirathcn, geschweige daß ich einensolchen Gedanken wirklich hätte festhaltcn können,es müßte denn etwa dieser Schritt meinen Rang undmeine Aussichten bedeutend gehoben haben."

Die arme, einflußlose Karoline war somit dieletzte Person ans welche ich, nach dem üblichen Aus-druck der Mutter,ernsthafte Absichten" hatte.Gleichwohl ergriff mich ihre ausnehmende Lieblichkeit,während ihr lebhaftes Wesen mir Spaß machte;überdies ward meine Eitelkeit durch die Hoffnungaufgeregt, all meine Mitbewerber um das Lächelnder jungen Schönheit zu verdrängen. Demgemäßlegte ichS aufs Gefallen an, und versäumte keinevon jenen zarten, beinah geheimen Aufmerksamkei-ten, welche unter allen Schmeicheleien die feinstenund ersolgbringendsten sind und der Erfolg ent-ging mir nicht. Karoline liebte mich mit dem gan-zen Ernst und der ganzen Hingabe, welche die Liebeeines Weibes bezeichnen. Nie fiel ihrs ein, daß ichmit Neigungen, die zu gewinnen mein so heißer