Druckschrift 
3 (1836)
Entstehung
Seite
42
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nicht träumen ließest, daß ich mich in Deiner Nähebefinde? Ach Isabelle, Dein Herz mußte Dir davonsagen - das meinige hält' mirS gesagt, wärestDu mir so nah gewesen."

Allerdings erhältst Du keine Briefe von mir -glaubst Du daß meine Hand und mein Herz deßhalbmüssig seien? Nein. Ich schreibe Dir tausend bren-nende Briefe, ich schütte meine Seele vor Dir aus,erzähle Dir all meine Leiden, meine Gedanke», meinThun, meine Träume sogar kommen auf das Papier.Ich schick' cs Dir nicht, aber ich les' es wieder undwieder, und wenn ich an Deinen Namen komme,halt ich an und schließe die Augen und dann,hatPhantasie ihr Recht" und siehe Du stehst mir zurSeite.«

Isabelle, unsere Liebe war kein sommerlichfreudiges Gefühl. Wir nährte» sie im Geheimen,und durch die Verborgenheit ward sie um so stärker.Wir hatten wenige Sonnenblicke und nur kurze Zwi-schenräume der Hoffuung; aber wie eine Mutter das-jenige Kind, das andere Menschen gering halten,am meisten liebt, so wandten wir uns in all unfernSchmerzen an unser» einzigen Schatz, und währendwir ihn mit heimlichen Thräuen nährten, fandenwir in der Ursache unserer Trauer selbst die Keimeunseres Trostes. Oft dünkt es mir ein besondererWillen des Schicksals, daß Du unter allen Menschengerad mich liebtest, denn Du warst umschwärmt vonviel Jüngern und Schonern und reicher Ansgestatte-