werde. Vielleicht mochten undeutliche, schwankende Ah-nungen der Zukunft, welcher das schöne Geschlecht als sei-ner Bestimmung cntgegenznschauen pflegt, bewirken, daßdie Wange — nein, nicht flammte, aber eine ctwas'rvsi-gcre Farbe annahm, und ihr Puls rascher schlug, siewußte selbst nicht warum. Wie dem sch, aus den Platzkam die junge Sybille heiter und beinahe glücklich in ihrerUnbckanntschaft mit dem wirklichen Leben, und überzeugtwenigstens, daß Jugend und Unschuld ein hinreichenderSchutz gegen Kränkung nnd Nnbild sehe». Und jetzt setztesie sich ilnter den entlaubten Baum um zu weinen, und indiesen bitter» Thränen ward die Kindheit selbst für immera»S ihrer Seele weggespült.
„WaS fehlt dir, Mädchen?" fragte eine tiefe Stimme;nnd sie suhlte eine Hand leicht ihre Schulter berühren.Sie schaute erschrocken nnd verwirrt auf, aber cs war keinGesicht, keine Gestalt, die ihr Unruhe einflößen konnte»,worauf ihr Auge fiel. Es war ein Cavalicr, ein reichgezäumtes und geschmücktes Pferd am Zügel führend, undobgleich seine Tracht einfacher und weniger überladenwar, als man gewöhnlich an Männern von Rang sah,waren doch die Stoffe von der Art, wie die LurnSgesetze— die freilich beständig verletzt wurden, wie es bei solchenGesetzen nothwcndig geschieht — nur de» Edcllenten er-laubten. Obgleich sein Mantel nur von Tuch, und dieFarbe dunkel und nüchtern war, so war er doch ans aus-ländischen Webstühlen gewoben — ein »»patriotischerLurus, der über den Rang eines Ritters hmauSging —