Druckschrift 
4 (1836)
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

62

der Hölle hinter einer andern Religion sah, mußtenatürlich den Wunsch in ihm erregen, alle Die-jenigen, an welche ihn ein Band menschlicher Zu-neigung knüpfte, dem neuen Glauben zu gewinnen,und der auf diese Weise schon aus Nächstenliebegezogene Kreis wurde noch erweitert durch das Ver-langen für den Ruhm Gottes zu wirken. ZurEhre des Christenthums drang der Christ seine Glau-benssätze kühn dem Skepticismus der Einen, demWiderstreben der Andern, der weisen Verachtung derPhilosophen und dem frommen Schauder des Volkesauf; eben seine Unduldsamkeit lieferte ihm das taug-lichste Werkzeug zum Erfolg, und der weiche Heidefing endlich an zu glauben, ,es müsse denn dochetwas Heiliges in einem seiner bisherigen Erfahrungso fremden Eifer liegen, einem Eifer, der bei keinemHinderniß anhielt, keine Gefahr fürchtete und selbstauf der Folter oder vor dem Blutgerüst die Streit-frage, ganz unähnlich den ruhigen Differenzenblos spekulativer Philosophen der Entscheidungeines ewigen Richters zuwics. So machte dasselbeGlaubcnsfeuer, das den Christen des Mittelalterszu einem Fanatiker ohne Erbarmen umwandelte, denChristen der ersten Jahrhunderte zu einem Heldenohne Furcht.

Unter diesen glühenden, kühnen, ernsten Na-turen war Olinth nicht der am wenigsten Eifrige.Nicht sobald war Apäcides durch die Taufe in denSchooß der Kirche ausgenommen, als der Nazarener