Druckschrift 
4 (1836)
Entstehung
Seite
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Ich bin erhitzt," crwicdcrtc das blinde Mäd-chen; das Wasser kühlt mich; ich will die Flascheneben mein Bett setzen; sie erfrischt in diesen Som-mernächten , wenn der Thau des Schlafes nicht aufunsere Wimper fällt. Schöne Julia, ich muß Dichzu sehr guter Stunde verlassen so befiehlt mirJone vielleicht noch eh' Du wach bist: empfangedaher jetzt schon meinen Glückwunsch."

Danke; wenn wir das nächste Mal Zusammen-kommen, triffst Du vielleicht Glaukus zu meinenFüßen."

Beide hatten fich zu Bett gelegt, und Julia,ermüdet von der Aufregung des Tages, schlief baldein; aber sehnsüchtige, brennende Gedanken wälztenfich durch den Geist der wachen Thessalien». Sichorchte auf den ruhigen Athcm Julias, und ihr Ohr,an die feinsten Abstufungen der Töne gewöhnt, ver-gewisserte fie bald vom tiefen Schlaf ihrer Gefährtin.

Jetzt stehe mir bei, Venus!" sprach fie sanft.

Leise stand fie auf und goß die duftende Flüssig-keit aus dem geschenkten Fläschchen auf den Marmor-bodcn, spülte cs mehrmals mit dem neben ihr stehen-den Wasser aus, fand sofort leicht Julias Bette (dennNacht und Tag waren ihr ja gleich), schlüpfte mitder zitternden Hand unter das Kiffen und ergriff denLiebestrank. Julia rührte fich nicht; ihr Odem fächelteregelmäßig die brennende Wange der Blinden. Nydiaöffnete die Phiole, goß ihren Inhalt in das Fläsch-chen, das hinlänglichen Raum dafür bot, füllte dann