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Poesie des Lebens schien sich in ihnen angesanuneltund genährt zu haben, und in ihren Herzen ver-einten sich die letzten Strahlen der Sonne von De-los und von Griechenland.
Verfuhr jedoch Jone in der Wahl ibrer Lebens-art sehr unabhängig, so war ihr bescheidener Stolzin gleichem Grad wachsam und leicht zu erschrecken.Die Lüge des Egypters wurde von einer tiefenKenntniß ihres Wesens cingegeben. Die Geschichtevon der Unzartheit, der Rohheit des Glaukns schnittihr in's tiefste Herz. Sie dünkte ihr wie ein Vor-wurf gegen ihren Karakter und ihre Lebensweise,vor Allem wie eine Bestrafung ihrer Liebe; zumerstenmal fühlte sie, wie schnell sie dieser Liebe Herr-schaft über sich eingeränmt; beschämt crröthcte sieüber eine Schwäche, deren mögliche Folgen sie mitSchrecken gewahr wurde; sie bildete sich ein, ebendieser Schwäche wegen sei ihr die Verachtung desGeliebten zu Theil geworden; sie duldete die bittersteQual edler Naturen: Dcmüthigung! — Gleich-wohl war ihre Zärtlichkeit im nämlichen Grad in An-spruch genommen, wie ihr Stolz. Flüsterte sie im einenAugenblick Vorwürfe gegen Glankus, verwarf, haßtesie ihn beinah, so brach sie in der nächsten Minutein leidenschaftliche Thränen aus, ihr Herz wardvon seiner natürlichen Sanftheit überwältigt, undin der Bitterkeit ihrer Qual sprach sie: „er verach-tet mich — er liebt mich nicht."
Seit der Stunde, worin der Egypter sie ver-