Druckschrift 
5 (1836)
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

ser Urtheil cinwirken, in welchem sie sich unserer An-schauung aufdräugen.

Was ich Bentham, unter steter Anerkennungder großen und bleibenden Verdienste, die er alsMoralphilosoph erworben, doch als bedeutenden Feh-ler anrechnen und als Quelle des durch ihn ange-richteten temporären Schadens bezeichnen muß, ist,daß er in der Anwendung gar oft das Nüzlichkeits-princip mit dem Princip der specifischen Folgen ver-wechselt, und das Lob oder den Tadel irgend einergegebenen Handlung einzig »ach den Folgen, die sie,wenn allgemein verübt, haben würde, abmeffen will.Durch sein Beispiel breitete sich eine Denkweise aus,wonach jede Handlung, von der es entweder erwie-sen oder doch sehr wahrscheinlich ist, daß sie in ihrenspecifischen Folgen weder dem Thäter selbst noch auchAndern zum Schaden gereichen werde, sofort für völ-lig gerechtfertigt gilt und jede nachherige Misbilli-gung oder Abneigung gegen den Thäter als ein Werkdes Vorurtheils oder des Aberglaubens angesehen wird.Ob das fragliche Thun oder Benehmen, wenn schonan und für sich unschädlich, nicht der Ansdruk einesschädlichen Karakters sei oder eines Karakters, demes an gewissen zur allgemeinen Glükseligkeit beitra-genden Eigenschaften fehle, komt entweder gar nichtoder nur ausnahmsweise in Betracht. Wirklich wäreauch zu einem solchen Maßstab eine tiefere Einsichtin die Bildung des Karakters und in das innereWirken der menschlichen Natur erfoderlich, als Bent-