Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

schwieg, bis der Sturm ihrer Gefühle sich etwas gelegthatte, immer noch ihre Hand in der scinigcn haltend,noch warm von seinem Küsse» Küssen, so rein alsnur je ein Ritter sie ans die Hand seiner Königindrückte.

In diesem Augenblick öffnete sich leise die Thüre,welche in das nächste Zimmer führte. Eine schöneGestalt schöner und jünger als die Valeriens vonvon St. Vcntadour trat in das Gemach; dasSchweigen hatte sic getäuscht, sie wähnte Maltraverssch allein. Sic war hcrcingctrcten, ihr Her; auf denLippen; Liebe, sanguinische, hoffnungsvolle Liebe injeder Ader, in jedem Gedanken sic war eingctrctcn,voll des Traumes, daß von dieser Schwelle ein neuesLebcuSinorgcnroth ihr anbrcchen würde daß Alleswieder werden würde, wie cs damals gewesen, alsEntzücken und Wonne das Element ihres Dascpnswar. So trat sic ein und jetzt stand sic da, voneinem Zauber gerührt, vom Schrecken betäubt blaßwie der Tod das Leben ward zu Stein Jugend,Hoffnung, Glück waren auf immer für sic dahin!Ernst kniccnd vor einer Andern das war Alleswas sic sah! Um dieß zu erleben war sie treuund standhaft gewesen in Sturm und Verlassenheit,hatten sic gehofft, geträumt, gekämpft! Jene bemerk-ten sie nicht; sic blieb ungesehen, uugehört. Und Ernst,welcher baarfuß bis ans Ende der Welt gcwallfahrtctwäre, um sic zu suchen, war in demselben Zimmermit ihr und wußte es nicht!