101
nchmens angccignet, welche gewöhnlich die Frucht gegen-seitiger häuslicher Liebe in Familienkreisen ist. In einemstolzen Bewnßtscpn ihrer Talente, ihrer Geburt, ihrerStellung — Vorzüge, von welchen man ihr immer undimmer vorsprach — wuchs sic auf — einsam, ungesellig,herrisch. Ihr Vater war mehr stolz auf sie, als zärtlichgegen sie — ihre Dienerschaft liebte sic nicht — sie >hatte zu wenig Rücksicht für Andere, zu wenig Mildeund Weichheit, um sich die Liebe von Geringeren zuerwerben — sic war zu gebildet und zu ernst, umGeschmack an der Unterhaltung und der Gesellschaftjunger Damen ihres Alters zu finden — sie hatte keineFreundinnen. Nun fühlte sic dicß Alles wohl, da siewirklich lebhafte Gefühle und Neigungen hatte, abermehr mit Erbitterung als mit Schmerz — sic verlangtedarnach geliebt zu werden, aber sic bemühte sichnicht darum — cs war ihr, als scp ihr vom Schicksalbestimmt, keine Liebe zu finden, — sic klagte dasSchicksal an und nicht sich selbst.
Als sic mit all' der stolzen, reinen und großher-zigen Aufrichtigkeit ihres Wesens Ernst ihre Liebe zuihm bekannte, da erwartete sie natürlich die glühendsteund leidenschaftlichste Erwiederung — nichts Geringereskonnte sic befriedigen. Aber die Erfahrung und Ge-wohnheit der ganzen Vergangenheit nährten in ihr denewigen Argwohn, sic scy nicht geliebt; wie Gift undGalle war ihr der Gedanke, Maltravcrs könne irgenddie Vorthcile ihres Vermögens in Betracht gezogenhaben — außer etwa als eine Schranke für seine An-