Oh' mit welchem Schilde des Gebetes suchte siediese geliebte Brust zu schirmen! Und jetzt sprach der alteMann von dem beseligenden Frühling, der Festzeitder Lie-benden und der Liebe, und das junge Mädchen sagte seuf-zend in ihrem bekümmerten Herzen: „die Welt hat ihreSonne — wo ist die meinige?"
Der Pfau stolzirie heran gegen seine armen Beschü-tzer und spreizte sein Gefieder in den goldenen Strahlen.Und jetzt erinnerte sich Sybille des Tages wieder, wo siehier mit Marmaduke gelustwandelt, und er ihr von seinerJugend, seinem Ehrgeiz und seinen kecken Hoffnungen ge-sprochen hatte, während sie, schweigend und in sich ver-sunken, bei sich gedacht hatte: „stände doch auch mir dieWelt so offen wie ihm, — auch ich habe Ehrgeiz, und ersollte sein Ziel erreichen!" Jetzt — welcher Contrastzwischen ihnen Beiden! Der Mann bereichert und geehrt;wenn auch heute tu Gefahr und Verbannung, — morgendoch wieder im Stande, frei vorwärts zu schreiten aufseiner Bahn — die Welt das Vaterland dessen, der einkühnes Herz und einen fleckenlosen Name» besaß! Undsie, das Weib, zurückgeführt in den Kerker ihrer Heimath,Hohn rings um sie her, ohnmächtig sich zu wehren, undverhindert zu fliehen! Warum — Sybille war sich ihrerUeberlegenheit in Gemüth, Verstand, in ihrer ganzenNatur bewußt — warum der Contrast? Der Erfolgwinkte dem Manne, aber nur Demüthigung harrte desWeibes. Wehe dem Mann, der seinem Zeitalter vor-anschreitet ! aber noch nie hat es ein Zeitalter gegeben»