Druckschrift 
6 (1843)
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114

männlichen Jugend einem Niesen an Stärke, einemGott an Schönheit stieg vor ihrer Seele auf die zarteGestalt des schwermüthigen Knaben, der fern, in der Ver-bannung, in seinen Träumen den Sccpter und die Brantvermählte! Vermöge einer jener mysteriösen Wirkun-gen, welche der Magnetismus zu erklären sucht, schien beider gewaltigen Lebhaftigkeit ihrer Gemüthsbcwegung,bei dem lieben ihrer erschütterten Nerven, ihre Furchtprophetisch zu werden. Ein Strahl wie von Blut stiegauf von dem kreisenden Boden. Das Bild ihres jungenPrinzen, gebunden und freundlos, stand vor dem Thronedes kriegerischen Königs. In dem wogenden Glanze derzahllosen erhobenen Schwerter sah sie die mörderischeKlinge gegen den jugendlichen Erben von Lancaster zucken ihn treffen! Ihre Leidenschaft, ihre Angst, bei demso durch die Phantasie ihr vorgezauberten Gespenst, ergriffund überwältigte sie; und ehe das letzte Hurrah sein hoh-les Echo an das Sparrenwerk des. Daches emporsandte,sank sie von ihrem Stuhle zu Boden, leichenblaß und be-wußtlos, wie eine Todte.

Der König hatte nicht ohne Absicht die sonst nichtgewöhnliche Anwesenheit der Frauen bei dieser kriegeri-schen Versammlung gestattet; theils weil ihm nicht unbe-kannt war der ehrgeizige Geist JsabellenS, theils weil erans die Freundlichkeit und Neigung zählte, die ihm alsKnaben die Gräfin bewiesen hatte, welche, so sagte man,großen Einfluß auf ihren Gemahl übte; hauptsächlichaber, weil er gewiß hoffte, daß ihre Gegenwart alle