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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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Trost suchen mochte, überall hin verfolgte mich die Erinnerungan mein Verbrechen und die Strafe desselben. Ulrika, ich bi» einunglücklicher Mensch!"

Nein, theurer Odo, es gibt ja Gnade für Sünder, die sichnoch schwerer vergangen haben, als Du. Du wirst nach Deinemlange verödeten Schlosse zurückkehren und Frieden finden."

Und Du, Ulrika hat Dir mein Verbrechen gleichfalls Leidbereitet? Du wenigstens bist glücklich?"

Diese Frage bereitete der Gattin Heinrich Frey'S einige Un-ruhe, denn sic hatte Odo von Ritterstein leidcnschafilich geliebt, undihre Gefühle für ihn trugen noch immer das Colorit der Phantasie,während ihre Anhänglichkeit an den Bürgermeister in dem ebenerenKanal der Pflicht und der Gewohnheit dahinfloß. Jndeß hielt dieZeit, ihr zartes Gefühl für ihre Obliegenheiten und das Band,das sie in Meta an ihren Gatten knüpfte, ihre Empfindungen injener gedämpften Haltung, welche am besten für ihre gegenwärtigeLage paßte. Wäre es nach ihr gegangen, so würde diese Fragevöllig unberührt geblieben seyn; da sie aber einmal zur Sprachegekommen war, so fühlte sie, wie nöthig es war, ihr mit Ruhezu begegnen.

Ich bin glücklich in dem Besitze eines ehrenwerthen Gattenund eines theuren Kindes," versetzte sic.Beruhige Dich deßhalb wir paßten nicht für einander, Odo; denn schon Deine Geburtbot Hindernisse dar, die wir nicht gut hätten überwinden können."

Der Einsiedler beugte sein Haupt und schien ihre Zurückhal-tung zu achten. DaS nun folgende Schweigen war nicht frei vonBefangenheit und wurde endlich durch die Töne einer Glocke unter-brochen, die von dem Limburger Berge herüberschalltc. Der Ein-siedler erhob sich, und jede andere Empfindung schien sich plötzlichin jenes krankhafte Reuegefühl zu verlieren, das ihn schon so langverfolgte und in Wahrheit mehr als einmal nahe daran geweseuwar, seine Vernunft zu zerrütten.