ins Leben eingesührt werden soll, sah ich ungeduldig nur demAuSgang entgegen."
Obgleich Ulrika darnach verlangte, dem Reuigen eine Entschul-digung seiner Verirrungen zu entlocken, blieb sie doch still. Nacheiner kurzen Pause des Nachdenkens ging das Gespräch folgender-maßen fort:
„Es gab aber doch unter Deinen Freunden einige, Odo, welcheglaubten, Dein Vergehen sei nicht so groß, als es von dem Klo-ster dargestellt wurde."
„Sie bauten zuviel auf ihre Wünsche," versetzte der Einsiedlermit gedämpfter Stimme. „ES ist vollkommen wahr, daß, ich vonWein erhitzt und von Zorn wüthend gemacht, Angesichts meinesbewaffneten Gefolges Gewaltthat übte an den geheiligten Elemen-ten, welche die Katholiken so hoch verehren. In einem Augenblicktrunkener Wuth schlug ich den heischeren Beifall berauschter Schma-rotzer und die Verwirrung eines Priesters höher an, als den ge-rechten Zorn Gottes. Vermessen trat ich die Hostie mit Füßenund schwer hat seitdem Gott meinen Geist niedergetreten!"
„Armer Odo! — diese gottlose Handlung gab unserem beider-seitigen Lebenslauf eine andere Richtung! Und betest Du jetzt dasWesen an, an dem Du so großen Schimpf übtest — ist Dein Geistzurückgekehrt zu dem Glauben Deiner Jugend?"
„Dies ist nicht nöthig, um mich die Last meiner Schuld füh-len zu lassen," rief der Einsiedler, dessen Auge den menschlichenAusdruck zu verlieren begann, welcher es in dem Verkehre mit demedlen weiblichen Wesen erhellt hatte; sein Blick zeigte allmähligdie verglimmende Glut der GewiffenSgual, die so lange durch einekrankhafte Selbstopferung genährt worden war. — „Ist nicht derHerr des Weltalls mein Gott? Die Beschimpfung galt ihm, undwenn auch in diese oder jene Form der Andacht Jrrthümcr sicheingeschlichen haben, so war ich doch in seinem Tempel, an demFuße seines Altars und in der Gegenwart seines Geistes. Dort