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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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weniger mit menschlicher Leidenschaftlichkeit gefärbt oder glühender,als die Hochachtung, die ich gegen Deine jungfräuliche Unschuldempfand."

Ulrika bebte, aber nur wie das Blatt, das im Lufthauchezittert.

Ich traute Dir dies zu, Odo," flüsterte sie mit sichtlicherScheu vor dem Lautwerden ihrer Stimme.

Du ließest mir Gerechtigkeit widerfahren. Als Deine Elternihre Zustimmung zu unserer Verbindung gaben, blickte ich voll derglücklichsten Hoffnungen der Vollziehung des heiligen Bundes ent-gegen; denn trotz meiner Jugend kannte ich mich doch gut genug,um vorauSzuschen, daß ein Geist, so überredend, so gut und fest, wieder Deinige, nöthig sei, um mich zu zähmen. Das Weib schlingtsich durch ihre Zärtlichkeit, ja sogar durch ihre abhängige Lage soum das Herz deS Mannes, daß sie Alles zu erreichen im Stande ist,was sein Stolz einer augenfälligeren Macht verweigern würde."

Und konntest Du Alles dieß fühlen?"

Ulrika, ich fühlte mehr, war von weit mehr überzeugt undfürchtete mehr, als ich je einzugestehen wagte. Doch alle Gefühledes Stolzes sind jetzt dahin, und was soll ich weiter sagen? Duweißt, in welcher Weise kühne Geister die Geheimnisse und dieLehrsätze der ehrwürdigen Kirche, die so lange über die Christenheitherrschte, anzugreifen begannen, und daß Einige sogar sich erdrei-steten, dem Urtheile und den Reformen klügerer Köpfe durch über-eilte Handlungen vorzugreifen. So geht es immer, wenn jungeHitzköpfe Mißbräuche abstellen wollen; sie haben nur das Unrechtim Auge, vergessen darüber die Ursachen, welche es erzeugten, undübersehen die Momente, welche das Uebel mildern, wenn auchnicht rechtfertigen."

Und dieß war unglücklicherweise auch Deine Gesinnung?"

Ich ziehe es nicht in Abrede. Jung und unbekannt mit denverschiedenen Ursachen, welche jede Theorie verkümmern, wenn sie