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liebende Lippen flößen, nicht ohne einen Wechsel in seinen Zügenmitanhören. Sein Auge leuchieie und er blickte für einen Momentmit einem Anfluge der früheren jugendlichen Glut auf Ulrika, dieaber von dem edlen Drange, den Einsiedler gegen sich selbst zurechtfertigen, unwillkührlich so sehr in Anspruch genommen wurde,daß sie nicht auf diese Veränderung achtete.
„Vielleicht war es so," nahm der Eremit nach kurzem Nach-denken mit Rübe wieder auf; „aber wenn die Jugend nicht bewachtund weise geleitet wird, können sich die besten Eigenschaften zuWerkzeugen unsres Falles umwandeln. Bor Allem wühlten unge-stüme Leidenschaften in meiner Brust — wie ungestüm, das istnoch aus den bejammernswürdigen Spuren zu ersehen, welche sichmeinem Gesichte, diesem untrüglichen Register menschlicher Ver-irrungen, abgedrnckt haben."
Ulrika wußte auf diese Bemerkung nichts zu antworten, dennsie hatte gefühlt, wie leicht sich der kräftige Charakter dem mildenanschmiegt und wie häufig es vorkommt, daß das menschliche Herzeinen Werth auf Eigenschaften setzt, die dazu dienen, das eigeneSelbst in ein vortheilhaftes Licht zu stellen.
„Als ich Dich kennen lernte, Ulrika, blieb eS dem EinflüsseDeines edlen Herzens, der Theilnahme, welche Du, wie Du mirGrund zu glauben gabst, meinem Wohle schenktest, und der Hoch-achtung, welche der Jüngling so gerne weiblicher Unschuld, Schön-heit und Treue zollt, Vorbehalten, den Löwen meiner wilden Ge-müthsart zu zähmen und mich für eine Weile Deiner Anmuthunterwürfig zu machen."
Seine Begleiterin erkannte dieses Lob mit dankbarem Blickean, blieb aber stumm.
„Das Band zwischen jungen schuldlosen Seelen ist eines derheiligste» Geheimnisse der Natur. Ich liebte Dich rein und treu,Ulrika; ja, ich kann sagen, die Verehrung, die ich hier in meinerbüßenden Einsamkeit diesen heiligen Zeichen weihe, ist nicht tiefer.