Man fuhr durch Neichenbach. Am Hanse des Schultheißenstand dessen älteste Tochter nnd hielt einen grauen Maatel aufdem Arm, sic rief Vinzenz, er möge anhalten nnd übergab ihmden Mantel, den der Vater vergessen hatte und den er in derStadt abliefern sollte.
„Ich nahm' dich auch noch mit", scherzte Vinzenz.
„Ich wills gut behalten für ein andermal. Schön Danl",sagte das Mädchen lachend nnd stolz fuhr Vinzeuz davon.
Als es bergan ging, sagte der Vater: „Das ist ein saubersMädle", und schnell fügte Vinzenz hinzu:
„Und Ihr müsset selber sagen, eine rechtschaffenere Familieals des Schultheißen giebt cs nicht."
„Ho bo, cs giebt noch mehr."
„Freilich, freilich, aber das wär eine Söhnerin, die denSchwiegereltern die Zänd' unter die Füße legen thät."
„Hast denn schon was angczettclt nnd bist denn schon soweit?"
„Nein, nein, Ihr wisset, ich thu nichts als was Ihr wollet,aber so viel weiß ich schon, daß des Schultheißen Tochter michnimmt; sie muß freilich auch ein Aug zudrückcn, daß sic nickstmehr hat wie ich", sagte Vinzenz und schaute dem Vater starrins Gesicht, „aber wie gesagt, ich thu keinen Schritt als was Ihrwollet, aber schön wär's wenn man heut die Sach noch ins Neincbrächt', auf dem Markt wär's grad geschickt —"
„Du hast schon noch Zeit," erwiedcrte der Vater und mitunterwürfigen: Tone fuhr Vinzenz fort:
„Wie gesagt, wie Ihr wollet, ich wünsch' Euch noch einlang's Leben und wenn ich hundert Jahr alt werde, will ich'simmer Kindeskindern sagen, was Ihr für ein Mann gewesenseid nnd wie Ihr Alles so zusammengehaltcn habt und keinHängenlassen duldet —"
„Brauch dein Lob nicht," unterbrach ihn der Vater. „Wiekommst Du dazu mich zu loben? Wenn ich mich unterstandenhält' so was zu meinem Vater zu sagen, er hätt' mir die Zähn'in den Nachen geschlagen."