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Am zweiten Sonntage sprach Gottfried das erste Wort mitErdmuthe:
„Mädle, ich Hab heut dein'Stimm in der Kirche aus Allenheraus gehört, du hast was besonderes, ich weis; nicht was."Erdmuthe sah ihn groß an, hatte sie die Stimme ihrer Mutterund hatte diese den Bruder so angesprochcn? Wie gerne hättesie alle Vermummung abgelegt, aber sie durfte nicht und immermußte sie denken, daß dieser Mann Trauer um sie wie um eineTodtc angelegt; sie hatte schon einmal durch die Erregung seinerHeftigkeit ihn an denNand des Grabes gebracht, sie durste nichtsmehr wagen.
Am Abend in der Dämmerung ging Erdmuthe mit Traudledurch das Dorf, diese kannte Jedermann und hatte überall eineAnsprache und Erdmuthe stand dabei so verlaßen und es schnittihr durch die Seele wenn sie hören mußte, daß sic die TochterTraudle's sei. Verlcugncte sie ihre Mutter? Sie kam sich bestän-dig wie eine Diebin vor und gab nur wenig Antwort und dieSpielplätze ikrer Kindheit betrachtete sie mit verstohlenem Blicke.Bläsi hatte ihr doch Schweres auferlegt, aber sic vertraute ihmund wollte ausharrcn. An ihrem elterlichen Hause stand sie langebei der Schwester Bläsis und konnte sich kaum enthalten, sie nichtals Aase zu begrüßen. War denn diese ganze Mummerei nichtunnöthig und grausam? Aber Bläsi sollte sehen, daß sie ihmunbedingt gehorchte. Die jungen Burschen und Mädchen zogensingend durch das Torf, die Schwester Bläsis verkündete mitJubel, daß dieser seit Jahren zum erstenmal wieder unter ihnenwar. Erdmuthe seufzte still und immer wieder kam die unlöslicheFrage, warum gerade ihr allein ein so schweres Loos beschiedenwar. Der Dorfschütz klingelte und verkündete, daß am morgen-den Tage die Ernte beginne und ein Jeder vor Allem Wegeschneiden müsse, daß der Nachbar seine Frucht ohne Schaden desandern heimbringcn kann.
Das Dorf schlief bald, denn mit der Morgensonue mußteAlles wach sein.
„Man sollte eigentlich gar keinen Menschen lieb haben," sagte