Bläsi wurde von Tag zu Tag stiller und in sich gekehrter. Erhatte um Erdmuthe kein äußeres Trauerzeichcn augcthau undabgelegt, ja er vor Allen war dem Vater über beides am meistengram, denn er ahnte, daß diese gewaltsame That ihm besonders galt.
Gottfried hatte seinem Sohne allmälig das ganze Baucrn-wcscn in die Hand geben wollen, aber Bläsi fragte ihn jetzt umjedes Vorhaben und wußte sich nicht zu rathcn und zu helfen.Er war im eigenen elterlichen Hause wie ein Knecht, der erst andiesem Tage in Dienst getreten war. Sonst hatte Bläsi diemeisten Amtsschrcibereieu für Len Vater gemacht und dieser warzufrieden mit der runden Fassung des Sohnes ; jetzt mußte er ihmjedes Wort in die Feder diktiren und dabei schrieb er oft nochVerkehrtes. Die Eltern sprachen über das so veränderte Wesenihres Sohnes, der nichts leugnete als man ihm laut vorwarf,daß er bei Erdmuthe am Wegweiser gesoffen und sie geküßt habe.Der Vater drohte ihm das Härteste, wenn er nur noch mit einemGedanken an Erdmuthe denke, ja, er steigerte seinen Haß gegen„die Verstorbene" zu den höchsten Verwünschungen und jetzt zeigtesich, daß er mehr um Bläsi's willen Trauer um Erdmuthe an-gelegt hatte, ja er ging noch weiter und zündete am Tage Aller-seelen zwei Lichter auf dem Grabe seiner Schwester an. Endlichfand er das beste Mittel, jeden Funken in Bläsi zu tödten, erfaßte einen festen Entschluß und Bläsi mußte gehorchen; er ver-lobte ihn mit der schmucken Tochter des Kirchenguts-Vcrwaltcrs,des sogenannten Heiligenpflegers von Scebronn. Bläsi hatte ehe-dem eine Neigung zu dem Mädchen gezeigt, das aber für Gott-fried weit unter seinen Anforderungen stand; jetzt drang er selbstauf die Verlobung und Alles sagte, der Gottfried habe seine alteArt ganz verändert und das Lob, das er jetzt hören mußte, warweit mehr ein Tadel, denn er vernahm, was man ehedem vonihm dachte.
Es gab wol nie einen weniger aufgeweckten Bräutigam alsBläsi. Er that Alles was Vater und Mutter ihm sagten, mehraber auch nicht. Denselben Weg, den er mit Erdmuthe gegangen,ging er nun zu seiner Braut und wenn er zu ihr kam, mußte er