Druckschrift 
4 (1854)
Entstehung
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302
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Erdmuthe erhob sich, sie hielt das Halsgeschmeidc in derTasche fest in der Hand und mit starker Stimme sagte sie:

„Vetter, das leid ich nicht. Mein Vater ist so gut wie einerund die wo ihn verschimpfen, die habcn's verschuldet, wenn wasnicht recht an ihm ist."

„Ich seh schon, dein Vater hat dich auch verdorben."

„Und wenu's so ist und wenn's wahr war', wer ist dranschuld? Mein Vater nicht allein, Ihr, ja Ihr seid dran schuld.Ihr hättet die Feindschaft aufgeben und dafür sorgen müssen,daß Euer Schwester Kind nicht verdorben wird, aber mit demgroßen Wagen vorbeifahren, wo der Schwester Kind der Pudelim Haus ist, da hat man sich auch nichts zu berühmeu."

Gottfried stand starr, er sah zum crstcnmale in seinem Lebenseine Rechtschaffenheit angegriffen, er konnte eine gewisse innereStimme nicht verleugnen, die den guten Grund dazu anerkannte,aber doch war er dem gram, der das anssprach. Er war nahedaran, seine Gelassenheit aufzugcben, aber schnell fand er wiederdie Fassung und sagte bitter lächelnd: „Das hat dir dein Vaterauch cingeblasen."

„Nein, nein, was ich red' das sind meine Gedanken, die ichtausendmal im Stillen gehabt Hab'. Aber ich will Euch keineVorwürf machen und machet Ihr mir auch keiue. Ich Hab' heutGutes in Eurem Haus gehabt, ich möcht' gern wenn ich fortgchin Gutem an meine Verwandten zurück denken."

„Wo willst denn hin?"

„Nach Amerika, mit meinem Vater und meinen Geschwistern.Ihr saget, ich hätt' ein schönes Vermögen, ich will nicht imReichthum leben, wenn mein Vater ein Bettelmann ist —"

„Und noch einmal wird, wenn er das Deinige auch nochverthan hat. Ich sch, man kann gescheit mit dir reden und duhast ein gutes Herz, du verleugnest dein' Mutter selig nicht, diehat mich für brav gehalten, du denkst anders, ich will dir nichtsdarüber sagen, aber besinn dich nur, laß dich dünken, es redetein anderer zu dir: wie soll denn ein Mann, der mit einemgrößeren Vermögen in seinen besten Jahren Alles durchgcbracht